Gute-Laune-Pop made in Kassel

Er geht auf Tour mit Milky Chance: James Hersey

Kann ernst schauen, macht aber fröhliche Musik: Der austro-amerikanische Musiker James Hersey (26) aus Wien hat sein erstes Album bei der Kasseler Plattenfirma Lichtdicht Records von Milky Chance veröffentlicht. Foto: Bastian Fischer

Mit James Hersey hat Lichtdicht Records, die Plattenfirma von Milky Chance, einen weiteren Hit-Lieferanten. Nach der Veröffentlichung seines Debüts geht der Wiener mit den Kasselern auf US-Tour.

Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass James Hersey fast überall einen Plattenvertrag hätte bekommen können. Schon vor zwei Jahren landete der Musiker aus Wien mit dem kostenlosen Download-Track „Juliet“ einen Hit. Hersey sprach mit mehreren großen Plattenfirmen und stellte fest, dass „die nicht auf der gleichen Wellenlänge liegen wie ich“.

Prima verstanden hat er sich indes mit den Mitarbeitern der Kasseler Plattenfirma Lichtdicht Records, die bereits Milky Chance zum Pop-Phänomen gemacht haben und nun Herseys sehr schönes Debütalbum „Clarity“ veröffentlichen.

Milky-Chance-Sänger Clemens Rehbein und Beat-Bastler Philipp Dausch, der einer von vier Lichtdicht-Geschäftsführern ist, hatten Hersey 2013 während einer Tour kennengelernt. „Wir haben uns sofort verstanden. Musikalisch war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt Hersey.

Wie Milky Chance verbindet auch der austro-amerikanische Sänger Analoges und Digitales. Früher schrieb er Akustikstücke für die Gitarre, dann legte er Elektro-Beats und eine Bassline drunter. So ist „Clarity“ ein Gute-Laune-Pop-Album geworden, das mit Anleihen aus Indierock und Electro besticht. Manchmal meint man, den Einfluss seines Kumpels Ferdinand Sarnitz alias Left Boy herauszuhören: Der Sohn des Künstlers André Heller ist ebenfalls international erfolgreich.

Der Musiksender MTV hat die CD zum Album der Woche gekürt. Jeder Song hat das Zeug zum Hit. Und Andreas Störmer, in dessen Tonstudio am Kasseler Kulturbahnhof Hersey „Clarity“ teilweise aufgenommen hat, prophezeit, dass „James an den Erfolg von Milky Chance anknüpfen kann“.

Von so einer Karriere hat der Sohn einer Österreicherin und eines US-Lehrers, der an einer Internationalen Schule in Wien arbeitete, bereits als Schüler geträumt: „Ich habe mich schon mit 17 entschlossen, eine Künstlerkarriere zu verfolgen.“

Nach Schule und Zivildienst wohnte Hersey eineinhalb Jahre in den USA und trat in New York sowie London auf. In Texas hat er einmal für drei Wochen in einem Restaurant gejobbt. Ansonsten lebt er schon immer von seiner Musik und dem Gitarrenunterricht.

Sein Sound klingt eher nach London als nach Wien. Trotzdem könnte der Musiker vom derzeitigen Hype um den Austropop und Bands wie Bilderbuch und Wanda profitieren. Seine Liedsprache ist Englisch, aber manchmal denkt und träumt Hersey mittlerweile auf Deutsch, wie er sagt. Die Sprache habe er auch durch die vielen Frauen gelernt, in die er sich verliebt hat.

Wenn man die Lieder hört, in denen Hersey über seine Ex-Freundinnen singt, glaubt man fast, er könne bei jeder Frau landen. Derzeit ist er aber in festen Händen. Ein Lied über seine jetzige Freundin hat er auch schon geschrieben.

James Hersey: Clarity (Lichtdicht Records).

Wertung: vier von fünf Sternen

James Hersey über

... Milky Chance, mit denen er im März auf US-Tour ist: „Clemens ist an der Gitarre ein Genie und hat eine geile Stimme. Das passt perfekt zu den minimalistischen Beats von Philipp.“

... sein Mixtape, das er 2013 kostenlos ins Netz gestellt hat: „Das war ein guter Weg, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Viele haben es trotzdem bei iTunes gekauft. Wahrscheinlich fanden sie die Musik cool und dachten sich: Die fünf Euro gebe ich dafür aus.“

... Kassel: „Ich mag es, im Wald die Ruhe zu genießen. Kassel hat viel Grün. Das ist toll. Ich finde es total cool, wie der Herkules auf die Stadt schaut. Und ich komme regelmäßig nach Kassel, weil ich viele Freunde hier habe.“

Interview mit James Hersey

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