Gute Mädchen im Pop-Himmel: Das Hamburger Duo Boy

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Ihr Ohrwurm „Little Numbers“ wurde auf Youtube fast 15 Millionen Mal angeklickt: Sonja Glass (links) und Valeska Steiner vom Hamburger Pop-Duo Boy.

Mit seinem Gitarren-Pop feierte das Hamburger Duo Boy international Erfolge. Nun erscheint das zweite Album. Es soll bloß niemand mehr sagen, Sonja Glass und Valeska Steiner würden Mädchenmusik machen.

Sonja Glass und Valeska Steiner kann man nicht mal dann böse sein, wenn sie gemein und hinterhältig sind. Auf dem Debütalbum vor vier Jahren sang das Pop-Duo über einen Boris, einen „doofen Typen aus Zürich“, der in dem Lied nicht gut wegkommt und der die Stadt verlassen solle. Als die gebürtige Zürcherin Steiner den Bekannten wiedertraf, war er trotzdem total nett zu ihr.

Die Geschichte hat Steiner 2012 beim Boy-Konzert im Kasseler Kulturzelt erzählt. Sie sagt einiges über die in Hamburg lebenden Musiker. Man kann ihre Songs unmöglich schlecht finden.

Auch ihr neues Album „We Were Here“ umarmt den Hörer wie ein guter Freund. Die neun Songs sind anspruchsvoller Gitarren-Pop, der an die Kanadierin Feist und Phoenix aus Paris erinnert. Es fehlt ein Bubblegum-Gute-Laune-Hit wie „Little Numbers“ vom Erstling, mit dem Glass (38) und Steiner (29) die Berlinale 2012 eröffneten. Der Sound ist jetzt dunkler.

„Beim ersten Album haben wir uns musikalisch im Nachmittagslicht bewegt“, sagt Glass am Telefon, „jetzt befinden wir uns in der blauen Stunde zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit.“ Der Stern von Boy wird nun noch heller am Pop-Himmel leuchten.

Schon mit ihrem Debüt, das bei Herbert Grönemeyers Plattenfirma Grönland erschien, hatten die jungen Frauen einen unglaublichen Erfolg. 40 Wochen hielt sich „Mutual Friends“ in den deutschen Charts. So etwas schafft hierzulande sonst nur heimische Musik, für die man sich schämt. Sogar in Japan und Dänemark landeten Boy auf Rang eins der Hitparade.

„We Were Here“, den Titel von Album und Single, kann man also auf die Band beziehen. Die Musikerinnen waren überall. Bei ihren Konzerten in Japan erschraken Glass und Steiner zunächst, weil die asiatischen Fans zwischen den Songs nur kurz klatschten und dann still waren. Steiner „dachte schon, dass es den Leuten nicht gefällt“, aber das geht ja gar nicht bei Boy. Nach dem Auftritt „überfluteten die Japaner uns mit ihrer Wärme“. Sie hatten nur das Konzert nicht stören wollen, es ist wohl eine Mentalitätsfrage.

In Wirklichkeit ist „We Were Here“ eine mit Trompete und Flügelhorn noch weicher klingende Hymne an die Unvergänglichkeit von schönen Momenten. Boy versichern, dass sich ihr Leben trotz ihres Durchbruchs nicht verändert hat. „Wir können immer noch ganz normal zum Bäcker gehen. Wir sind ja nicht Madonna“, sagt Glass.

Auch von dem Druck, den Erfolg oft mitbringt, haben sie sich nicht verrückt machen lassen - angeblich gab es nicht mal welchen. Ihr Label-Boss Grönemeyer riet: „Schreibt einfach die Musik, auf die ihr Lust habt.“ Glass sagt: „Unseren Chef können wir sehr empfehlen.“ Dabei lacht sie.

Wenn man Steiner fragt, wie sie es finde, wenn Kritiker über „die beiden niedlichen Mädchen und ihre Mädchenmusik“ schreiben, antwortet sie: „Es nervt schon ein bisschen. Bei Männer-Bands interessiert es ja auch keinen, dass die Musiker Männer sind.“ Sie sagt das nicht wütend wie ein Riot-Girl, sondern wie eine junge Frau, die niemandem böse sein kann. Ihre Lieder sind eine Musik gewordene Kissenschlacht in Zeitlupe.

Boy: We Were Here (Grönland). Wertung: vier von fünf Sternen

Zu den Personen

Sonja Glass (38, geboren in München) und Valeska Steiner (29, geboren in Zürich)

Ausbildung: Hochschule für Musik und Theater in Hamburg (beide)

Karriere: Glass und Steiner lernten sich in einem Pop-Kurs in Hamburg kennen und gründeten 2007 Boy, wo sie beide singen, Gitarre und zahlreiche andere Instrumente spielen.

Privates: Beide sind vergeben und leben in Hamburg.

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