„Gute Nacht, Mama Mississippi!“: Aljoscha Langel spielt im tif den Huck

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Allein unter den Sternen: Aljoscha Langel als Huck.

Kassel. Ein Floß scheint in einem Fluss aus grauem Nebel zu treiben. Auf ihm liegt Huckleberry Finn (Aljoscha Langel) und blickt hinauf zu den Sternen, beziehungsweise an die Decke des Theater im Fridericianum.

Schilfgewächse säumen das angedeutete Ufer. Blau-graues Licht macht an diesem Samstagnachmittag den Eindruck perfekt, das Publikum im sehr gut besuchten Theater im Fridericianum (tif) befinde sich direkt am Mississippi (Bühne und Kostüme sehr authentisch: Isabell Heinke). „Alle Sterne von Illinois befinden sich über mir. Ich kann anlegen, wo ich will. Gute Nacht, Mama Mississippi!“ sagt Huck Finn zum Himmel und zu sich selbst.

Nicht weit entfernt von ihm sitzt Bad Temper Joe (Johannes-Marius Assmann) in Fischerhose und Gummistiefeln. Der sagt nie etwas, aber es gelingt ihm, mit seinem Gitarrenspiel und dem Gesang mit rauchig-kratziger Stimme ein unvergleichliches Südstaaten-Flair herzustellen. Benutzt werden verschiedene Gitarren - unter anderem eine Lap Slide Guitar, die auf seinen Knien liegt, während er spielt. Immer begleitet von der Musik erzählt Huck Finn seine traurig-schöne Geschichte: Von seinem Vater, der getrunken und ihn geschlagen hat, von seiner Flucht und der Idee, seinen eigenen Tod vorzutäuschen, und schließlich davon, wie er den entflohenen Sklaven Jim getroffen hat und wie dieser ihn auf seiner Reise auf dem Mississippi begleitete. Es ist eine Geschichte voller Freiheit und Abenteuerlust, aber auch eine Geschichte voller Angst und Schmerz, in einer Zeit, in der das Denken viel enger war. „Irgendwie ist das Leben nicht so. Immer wenn du denkst, das ist zu gut, um wahr zu sein, dann ist es zu gut, um wahr zu sein“, wiederholt Huck eine Lebensweisheit seines Vaters.

Dabei schlüpft Aljoscha Langel als alleiniger Darsteller brillant in die verschiedenen Rollen – verkörpert den lallenden Trinker-Vater, spielt Jim mit leichtem Akzent und parodiert Ganoven, auf die Jim und Huck während ihrer Reise treffen. Das überzeugt, hat Tempo, ist nie langweilig und nimmt die Zuschauer mit in eine andere, in eine längst vergessene Zeit. Am Ende verschwindet Huck Finn durch den Nebel. Was aus ihm wird, bleibt unklar.

Wieder am 17.10., 6. und 14. 12. Karten: Tel. 0561 / 1094-222. www.staatstheater-kassel.de

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