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„Achtsam morden“: Guter Applaus nach wenig Tiefgang

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Von: Ute Lawrenz

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Kämpfen mit Eheproblemen: (von links) Ehefrau Katharina Diemel (Fabienne Elisabeth Baumann) und Anwalt Björn Diemel (Jens Tramsen).
Kämpfen mit Eheproblemen: (von links) Ehefrau Katharina Diemel (Fabienne Elisabeth Baumann) und Anwalt Björn Diemel (Jens Tramsen). © Dorothea Heise

Die Krimikomödie „Achtsam morden“ hatte im Jungen Theater in Göttingen Premiere.

Göttingen – „Achtsam morden“ ist angesagt im Jungen Theater Göttingen. Aus dem Erfolgsroman von Karsten Dusse (2019) in der Bühnenbearbeitung von Bernd Schmidt ist in der Regie von Sascha Mey eine unterhaltsame Krimikomödie geworden. Dass es dabei etwas klamaukig zugeht, störte die meisten Zuschauer wenig.

Zwischen Björn Diemel und Katharina läuft es nicht mehr so richtig. Der erfolgreiche Anwalt für Großkriminelle hat zu wenig Zeit für die Familie. Seine Frau zwingt ihn in ein Achtsamkeits-Seminar. Kann dieser Kurs ihre Ehe retten?

„Ich bin kein gewaltsamer Mensch“, sagt Björn Diemel (Jens Tramsen), der in gelber Wie-Regen-Schutz-Kleidung mit Handsäge auf die Bühne gestürmt ist. Offensichtlich jagt er einem Vogel hinterher. Der hat ihm einen Finger seines Opfers gestohlen.

43 Jahre alt musste Diemel werden, bevor er seinen ersten Mord beging. Mühsam schält er sich aus der Schutz-Montur. Im maßgeschneiderten Anzug präsentiert er sich nun angemessen als Anwalt und lässt das Publikum in die Geschichte eintreten.

Vor der Praxis des Therapeuten (Michael Johannes Mayer) muss Diemel warten, bis ihm Einlass gewährt wird – der Vielbeschäftigte hat sich verspätet. In dem sehr gelungenen Bühnenbild von Jörg Brombacher mit zentralem, zimmerhohem Würfel mit vielen beweglichen Elementen können die Zuschauer ihm folgen. So steht der Anwalt erst vor dem Haus, bis er durch die Drehtür in der Praxis verschwindet. Durch dieselbe Tür kommt der Therapeut, nimmt die Zuschauer mit in seine Praxis, in der er den Klienten Yoga praktizierend mit seinen Achtsamkeits-Sprüchen behandelt. Der Würfel verwandelt sich in Wochenendhaus oder Kofferraum des Autos und mehr. Flexible Stuhlreihen werden Autositze oder Bestuhlung in Sitzungsräumen. Ordentlich aufgereiht hängen hinten Kostüme (Sascha Mey, Ilona Tappe), die Michael Johannes Mayer und Fabienne Elisabeth Baumann brauchen, um sich in die unzähligen Figuren zu verwandeln, die Björn Diemel auf seinem Weg begleiten. So spielt Fabienne Elisabeth Baumann die Rolle der fordernden Ehefrau, verwandelt sich mit Uniformjacke in die Leiterin der Mordkommission, die schnell an der Unschuld Diemels zweifelt, und wird neben weiteren Figuren mit Kindermütze zur etwas nervigen Tochter.

Michael Johannes Mayer hat keine Mühe, unzählige Nebenrollen zu übernehmen. Wie Baumann helfen ihm plakative Accessoires. Mit einem großen D an Goldkette wird er zum Großkriminellen Dragan. Eine Lederjacke streift er über, wenn er Dragans Gehilfen Sascha mimt, mit Strickmütze wird er zum Hipster-Geschäftsführer des für die Tochter begehrten Kindergartens.

Die schauspielerische Leistung der drei Darsteller ist überzeugend. Doch leider ist die Inszenierung zu klamottig geraten und erfasst nicht die Ironie des Buches, dass Achtsamkeit ganz wörtlich genommen bis zum Morden führen kann. Das Publikum zeigte sich dennoch begeistert und spendete Applaus mit Trampeln und Johlen.

Nächste Vorstellungen am 3., 10., 17., 22. und 31.12., Karten: Tel. 0551/495015, kasse@junges-theater.de

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