Frankreichs Schauspiellegende Catherine Deneuve im Interview über Schönheit, Freisein und Gärtnern

„Habe mich nie als Ikone gefühlt“

Leinwand-Ikone Catherine Deneuve verzaubert seit einem halben Jahrhundert das Filmpublikum. Jetzt steht sie einmal mehr an der Seite von Gérard Depardieu vor der Kamera. In dem diese Woche anlaufenden Film „Das Schmuckstück“ von Regie-Wunderkind François Ozon gibt sie die geduldige Unternehmer-Gattin, die sich in den 70er-Jahren auf charmante Weise emanzipiert.

Sie spielen die Rolle des „Schmuckstücks“, der Ehefrau als schöne Deko - haben Sie sich auch schon so gefühlt?

Catherine Deneuve: Aber natürlich. Diese Erfahrung hat doch jeder schon in seinem Leben gemacht, dass er in bestimmten Situationen nur Beiwerk ist. Das gilt für Frauen und Männer übrigens gleichermaßen. Man muss sich ja nur die Ehemänner von Politikerinnen anschauen.

Ihre Heldin befreit sich aus dieser Rolle allerdings …

Deneuve: Sie ist eine nette Frau, die es allen recht machen will. Dass sie sich befreit, liegt weniger an ihrer eigenen Entscheidung als den Umständen, die sie dazu zwingen. Erst dadurch entdeckt sie, dass das Leben auch anders sein kann und sie findet Gefallen an diesem neuen Stil.

Sie waren in der Frauenbewegung aktiv, wie sehr haben Sie sich selbst emanzipiert?

Deneuve: Ich musste mich nie befreien, weil ich mir meine Freiheit schon in sehr jungen Jahren genommen habe. Ich habe mein Elternhaus früh verlassen. Es gab also keine Barrikaden, die ich hätte einreißen müssen.

Sie gelten seit Jahrzehnten als Ikone der Schönheit. Wird das auf Dauer nicht ermüdend?

Deneuve Dies Image ist eine Last, als Ikone habe ich mich nie gefühlt. Die Leute denken, dass ich ständig in eleganter Kleidung durch das Leben gehe - das ist nicht der Fall. In meiner Freizeit würde ich jederzeit diesen roten Trainingsanzug aus dem Film tragen. Und wenn ich im Garten arbeite, sehe ich aus wie jeder andere.

Wann war die Last von diesem Image am schwersten?

Deneuve: Mit 30, da habe ich den Druck der Erwartungen am stärksten empfunden.

Gibt es überhaupt keine positiven Seiten?

Deneuve: Man wird natürlich von vielen interessanten Leuten angesprochen, die nichts mit einem zu tun haben wollten, wenn man eher unattraktiv aussieht. Wir leben in einer Welt, in der das Image eine große Rolle spielt - und das ist heute viel ausgeprägter als noch vor zwanzig Jahren. Inzwischen macht jeder mit seinem Handy Fotos und stellt sie sofort ins Internet: Das ist beängstigend.

Wie sieht ein typischer Tag der Catherine Deneuve aus?

Deneuve: Ich habe nicht sehr viel Zeit für mich selbst. Auch wenn ich nicht drehe, habe ich viel Arbeit: Ich muss Leute treffen, Bücher lesen oder Interviews geben.

Was tun Sie in der knappen Freizeit?

Deneuve: Ich gehe mit Freunden essen, schaue mir Ausstellungen an oder bringe die Enkel zur Schule. Mein Leben als Großmutter gefällt mir sehr gut.

Laden Sie beim Gärtnern Ihre Batterien auf?

Deneuve: Die Gartenarbeit gibt mir keine Kraft, das ist ein ständiger Kampf gegen die Natur. Aber Gärtnern ist ein sehr guter Weg, Bescheidenheit zu lernen. Kraft bekomme ich, wenn ich mich einfach auf dem Land aufhalte.

Sie haben schon oft mit Gé-rard Depardieu gedreht, wie ist Ihr persönliches Verhältnis?

Deneuve: Wir sind Freunde und ich kenne ihn sehr gut. Er ist ein wunderbarer Schauspieler und ein großartiger Partner vor der Kamera. Aber er ist ein Mensch auf der Flucht, mit dessen Leben ich nicht tauschen wollte. Gérard stürzt sich in Arbeit, um all die Schicksalsschläge zu vergessen, die ihm passierten.

Sie singen im Film das Chanson „Das Leben ist schön“ - trifft das auf Ihr Leben auch zu?

Deneuve: Das würde ich nicht als mein Motto bezeichnen, denn das Leben ist nicht jeden Tag schön. Es gibt Zeiten, da geht es aufwärts und dann eben wieder abwärts. Aber ich höre so einen Satz sehr gern und ich singe ihn deswegen auch gern.

Von Dieter Osswald

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