Neu im Kino: Die Terrorkomödie „Four Lions“

Die haben einen Vogel

Der Jihad hat viele Gesichter: Faisal (Adeel Akhtar) will aus der Krähe einen fliegenden Selbstmordattentäter machen. Foto: Capelight

Solange es Menschen gibt, ist Humor ein probates Mittel der Auseinandersetzung mit Dingen, die man fürchtet oder nicht versteht. Seit zehn Jahren ängstigt sich unsere westliche Gesellschaft in erster Linie vor herrenlosen Koffern und Bauchbinden aus Sprengstoff. Aber eine Komödie über Selbstmordattentäter, geht das wirklich? Wenn sie gut gemacht ist, ja.

In „Four Lions“ begibt sich eine Gruppe mehr oder weniger junger Briten verschiedener Abstammung auf die Pfade des Jihad. Dabei sind die Beweggründe jedes Einzelnen ganz unterschiedlicher Natur. Der eine ist verärgert über die Art und Weise, wie die westliche Welt die Moslems behandelt, der andere ist wohl nur auf ein Abenteuer aus. Am Ende jedenfalls soll etwas explodieren, und Ungläubige sollen sterben. Oder so. Die Terroristen in spe sind nicht unbedingt mit einem brillanten Geist gesegnet, aber dieses Defizit gleichen sie durch Ambition locker aus.

Regisseur und Co-Autor Christopher Morris hat jahrelang recherchiert und weiß viele lustige und wahre Anekdoten aus dem alltäglichen Wahnsinn des Terrorismus zu erzählen. Seine Story der „Four Lions“ ist demnach nur ein ganz klein wenig zugespitzt. Dabei, und das war essenziell, ist der Film nie auch nur ansatzweise islamfeindlich. Gruppen sich gegenseitig hochschaukelnder, verwirrter junger Männer gibt es in jedem Land und vor jedem kulturellen und religiösen Hintergrund. Ein Spaziergang durch die eigene Heimatstadt reicht völlig aus, um diese Tatsache zu belegen.

Es dauert eine Weile, bis die Geschichte der „Four Lions“ an Fahrt gewinnt. Die Wackelkamera erschwert den emotionalen Einstieg, es wird viel gequatscht, und etliche Gags sind schlichtweg zu blöd. Was die filmische Umsetzung betrifft, verschwimmen zuweilen die Grenzen zwischen bewusstem Minimalismus und handwerklichem Defizit, die Story gerät zum Possenspiel.

Unterm Strich wird jeder Zuschauer gelacht oder zumindest geschmunzelt haben. Das Klassenziel wird aber nicht erreicht. Die Geschichte hätte unbedingt auf einen Punkt kommen und eine Aussage treffen müssen, bleibt dies aber schuldig.

Leider sind die Terroristen in der Realität nur selten Schwachköpfe, sondern oft intelligente Leute. Sich einfach nur lustig zu machen, scheint zu schlicht zu sein. Und deshalb wirkt „Four Lions“ mitunter so wie das Handeln der Politik angesichts der unsichtbaren Bedrohung: ein wenig unbeholfen.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 16

Wertung: !!!::

Von André Wesche

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