Karen Duve berichtete bei der Literaturmatinee im Bali-Kino von ihrer Wandlung und las aus dem Buch „Anständig essen“

Von der Hähnchen-Grillpfanne zu Äpfeln und Nüssen

Karen Duve

Kassel. Mit Tarnanzügen und Kopftaschenlampen brach sie nachts mit Freunden in eine Hühnerfarm ein und entführte Legehennen in ein besseres Leben. Denn auch auf Bio-Farmen, das weiß Karen Duve, werden den Tieren ohne Betäubung die Schnäbel verstümmelt, damit sie sich nicht verletzen.

Karen Duve, die mit ihrem Buch „Anständig essen“ von Lesung zu Lesung reist, hat mit ihrem früheren Leben gebrochen. Eine Hähnchen-Grillpfanne für 2,99 Euro aus einem Discounter gab die Wende vor. Sie hatte sie gekauft, ohne darüber nachzudenken.

Doch plötzlich - auch durch die Quengeleien ihrer vegetarisch lebenden Mitbewohnerin - geriet das „Qualfleisch“ ins Bewusstsein: die Massentierhaltung, das Leiden und Sterben der Tiere für die Ernährungsindustrie. In der Literaturmatinee im Kulturbahnhof ließ die Autorin am Sonntag das Publikum an ihrer Entwicklung, einer moralischen und ethischen Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, teilhaben. Im Gespräch mit dem Moderator Martin Maria Schwarz und in Lesepassagen vermittelte Duve dabei unaufgeregt und undogmatisch ihre Botschaft: Es ist nicht einfach, ein besserer Mensch zu werden, doch es kann gelingen.

Für ihr Buch „Anständig essen“ erprobte sie ihre neue Überzeugung in Stufen: Sie ernährte sich jeweils zwei Monate lang mit Bio-Kost, wurde dann Vegetarierin und Veganerin, um schließlich nur noch frutan zu essen, eben das, was Pflanzen hergeben, ohne zerstört zu werden. Konkret ernährte Duve sich so von Nüssen, Tomaten und Äpfeln.

Entstanden ist aus diesem Ess-Selbstversuch, der übrigens unterhaltsam geschrieben ist, eine faktenreiche Dokumentation bewussten Ernährens und seiner Folgen.

Karen Duve: Anständig essen. Verlag Galiani, 335 Seiten, 19,95 Euro.

Von Juliane Sattler

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