Händel-Festspiele: Anne Sofie von Otters Rosen für Göttingen

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Eine Klasse für sich: Anne Sofie von Otter 

Göttingen. So hat man das Chanson „Göttingen“ der französischen Sängerin Barbara noch nie gehört. Für die Begleitung sorgte ein Barock-Ensemble, und ein Klassikstar gab dem 1964 geschriebenen Lied viel Leichtigkeit: Anne Sofie von Otters Hommage an den Auftrittsort wird den Besuchern der Händel-Festspiele sicher im Gedächtnis bleiben.

Doch nicht nur die Ausflüge in andere Genres im Zugabenblock mit „Göttingen“ und dem Song „Bertie“ von Kate Bush machten den Abend in der fast ausverkauften Stadthalle zur erfrischenden Angelegenheit. Eine hinreißende Performance legte die schwedische Mezzosopranistin im barocken Fach hin - in einem erstaunlichen Stück von Francesco Provenzale (1624-1704) sogar im schnellen Wechsel von Tragödie und Komödie.

Provenzales „Squarciato appena havea“ pendelte zwischen Lamento und parodistischem Gassenhauer. Anne Sofie von Otter zog sämtliche Register, tänzelte in den lustigen Teilen übers Podium. Im Nuancenreichtum ist ihr Gesang ohnehin eine Klasse für sich - wunderbar die fein modulierten Klagelaute.

Klug war es trotzdem, dass neben der reifen Mezzo-Stimme des Stars auch eine andere vokale Farbe zum Einsatz kam. Jugendlichen Sopran-Liebreiz steuerte die ebenfalls aus Schweden stammende Elin Rombo bei. Reizend theatralisch: Im Monteverdi-Hit „Pur ti miro“ bewegten sich die beiden Sängerinnen - Otter im Anzug, Rombo im barockisierenden Kleid - vom Bühnenrand langsam aufeinander zu.

Brillant agierte die Cappella Mediterranea um den Cembalisten Leonardo García Alarcón. Mit Gamben, Theorben, Percussion und dem Blasinstrument Zink blieben die Musiker ihrem Ensemblenamen nichts schuldig. Südliche Spielfreude, so selbstverständlich wie bei einer Jazzband. Das Publikum spendete allen reichlich Beifall - und genoss am Beginn der Zugaben ein schmachtendes Händel-Duett.

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