Bernd Stelter probierte beim Sommer im Park alle möglichen Therapieangebote aus

Hängende Mundwinkel

Auf der Suche nach der guten Laune: Bernd Stelter beim Auftritt in Vellmar. Foto: Malmus

Vellmar. Dass der Comedian Bernd Stelter mit anspruchsvollen Programmen aufwartet, hervorragend singt und Gitarre spielt, Bücher schreibt und Fernsehsendungen moderiert, ist allgemein bekannt. Und dass er dabei auf der Klaviatur des Humors nicht nur die Partykracher, sondern auch die emotionalen Balladen beherrscht, auch das gehört zu seinem Image.

Bei seinem ausverkauften Auftritt in Vellmar präsentierte er eine völlig neue Variante seiner Vielseitigkeit. Er gab eine Viertelstunde lang den Zumba-Zampano und Fitness-Enthusiasten, der sich an Stepboard und Gymnastikball abarbeitete. Eine mögliche Strategie, die Mundwinkel der Deutschen nachhaltig anzuheben. Denn die hängen, nach der Meinung von Stelter, viel zu oft und viel zu weit nach unten durch.

Etwa 9000 Bilder speichert der Mensch am Tag auf seiner Gedächtnisfestplatte und diese prägen seine Einstellung zum Leben. Gehören die Nachmittagsprogramme der Privatsender zu dieser Bildermenge, sind der Gesichtsausdruck und die seelische Verfassung ernsthaft in Gefahr. Was kann man da machen? Wo sind die Alternativen? Die Begeisterung für asiatische Angebote hält sich bei Stelter in Grenzen. Denn der von ihm gespielte Helmuth musste nach dem Yogakurs direkt zum Arzt - er schlief beim Meditieren im Lotussitz ein, kippte um und fiel mit dem Auge direkt in eine Duftkerze.

Aber auch der Totalausstieg aus der spießigen Normalität ist eher geprägt von masochistischer Sehnsucht. Der verheiratete Versicherungskaufmann aus Osnabrück wünschte sich nichts mehr, als dass seine Frau und seine Kinder endlich mal Mist bauen würden.

Die Ausfahrt Sex vom Highway der schlechten Laune entpuppte sich für Bauer Hermann als unzumutbar. Vorspiel, Massage, Dauer des Geschlechtaktes - Anregungen aus einer Frauenzeitschrift, die seine Vorstellungskraft überstiegen. Stelter ließ weltanschauliche Signale aus dem Schlagerparadies folgen und auch die Geschichte des Froschkönigs in Jugendsprache sorgte für beste Stimmung im Publikum. Als Ausweg aus der Faltenfalle konnte und wollte er keine konkrete Strategie benennen.

Alle Angebote wirkten so brillant überzogen, dass man das eigentliche Ziel sofort erkannte. Die Kombination aus Toleranz, kritischem Bewusstsein und guter Laune ist die beste Medizin gegen hängende Mundwinkel. Und die verabreichte an diesem Abend ein Chefarzt der satirischen Fakultät. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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