Hänschen auf Abwegen: Musik-Revue am Institut für Musik

Sangen und spielten gekonnt: Die Studenten Fabian Haller (liegend), Paul Wendel (von links), Arne Lindheimer, Tobias Nering und Gregor Wunderlich. Foto: Malmus

KASSEL „Das Volk ist nicht tümlich“, sagte Bertolt Brecht. Und auch Volkslieder sind es nicht. Die „Lieder des Volkes“ haben zwar in Chören nach wie vor ihren Platz, im Bewusstsein der „Masse des Volkes“ sind sie aber weitgehend erloschen. Sonst sind sie allenfalls in modischen Wellen wieder einmal aktuell.

Doch sitzen sie bei vielen noch tiefer, als sie wahrhaben wollen, so tief wie sonst nur Kirchenlieder. Das waren die gedanklichen Eckpunkte für den Abend mit dem Titel „[Hnäcshen Keiln]“, der am Donnerstagabend im überfüllten Saal des Instituts für Musik der Uni stattfand. Unter der Leitung von Volker Schindel, des Unidozenten für musikalisch-szenische Projektarbeit, war die Veranstaltung der öffentliche (und reich bejubelte) Abschluss eines Seminars „Deutsche Lieder (geschüttelt & gerührt)“.

Zwölf Studenten hatten bekannte Lieder zum Material für Verfremdung, Zerstückelung oder Stilwechsel genommen und so eine sehr unterhaltsame Revue geschaffen, die ganz ohne belehrende Moderation oder gar einen erhobenen Zeigefinger auskommt. Die Studenten spielten verschiedene Instrumente, sangen und agierten in einem gekonnten und gut ausgeleuchteten Schattenspiel.

Das Lied vom „Hänschen klein“ schuf dafür eine zarte Rahmenhandlung. Hänschen wandert aus und kommt herum in der weiten Welt: bis nach Korea und in ein Männerkloster. Er erfährt Unglück – der liebe Augustin wird von der Pest dahingerafft – und Glück, die Liebe zu einer koreanischen Prinzessin. Zwar sind die Gedanken frei, doch heiraten darf er sie nicht. Derbes („Molly Malone“ oder das primitiv-nervende Seemannslied „Hi Ho“) wechselt mit Poetischem (zum Beispiel „Wenn ich ein Vöglein wäre“ in Moll).

Durch die vor Ideen und feiner Komik sprühende Vielfalt war eins in diesen anderthalb Stunden unmöglich: Langeweile. Doch es war nicht nur bloße Unterhaltung. Das Anschlagen der bekannten Melodien eröffnete eine Tiefendimension.

Von Johannes Mundry

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