Neu im Kino: Die Körpertausch-Komödie „Wie ausgewechselt“ kommt ziemlich klamaukig daher

Ein Hallodri wird zum Streber

Überfordert: Die Baby-Zwillinge zu versorgen, ist für Mitch in Daves Körper (Jason Bateman) ganz schön anstrengend. Foto:  dpa

Wieder eine Körpertausch-Komödie. Ungezählte Varianten wurden im Kino schon durchgenudelt: Teenager werden plötzlich erwachsen, Männer zu Frauen und Erwachsene jung. Aufwachen im fremden Körper - daraus entsteht bewährtes Komödienfutter der Filmbranche. Alles schon gesehen?

Regisseur David Dobkin versucht sich mit „Wie ausgewechselt“ nun an einer Neuauflage des Genres. Mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren will er weg von der ganz jungen Zielgruppe, die gern mit pubertären Ekel-Gags abgefrühstückt wird.

„Wie ausgewechselt“ knüpft nun an den aktuellen Komödientrend an, es auf der Leinwand derber und erwachsener - das heißt in der Hollywood-Sicht: sexueller - angehen zu lassen. Vom Megaerfolg des Alkoholrausch-Knüllers „Hangover“ will man sich eben gern etwas abschneiden, und hat dafür dieselben Drehbuchschreiber verpflichtet.

Dave (Jason Bateman) ist hier also ein erfolgreicher Anwalt und liebender Familienvater, der zwischen Kanzlei und Windelnwechseln das Entspannen und die Bedürfnisse seiner Frau aus den Augen verloren hat. Mitch (Ryan Reynolds) ist sein Schulfreund, ein Hallodri, der die Frauen vernascht, schon früh um neun einen Joint im Mundwinkel hat, und aus dessen Schauspielkarriere aus Trägheit nichts geworden ist.

Nach einem Kneipenabend pinkelt man gleichzeitig in einen Brunnen und wünscht sich das Leben des anderen. Als Mitch dann vom Babygeschrei in Daves Haus erwacht und Dave sich der lüsternen Tatjana in Mitchs Lotterbett erwehren muss, nehmen die Verwicklungen ihren Lauf. Ohne Körperflüssigkeits-Gags geht es hier also auch nicht. Dass gerade Fäkalwitze derart überstrapaziert werden, ist der absolute Schwachpunkt des Films.

Trotzdem gelingt Regisseur Dobkin eine hohe Gag-Dichte, die mit Momenten harmoniert, in denen es etwas tiefgründiger zugeht. So begreift Dave seine Lektion in Eheglück, wenn seine Frau Tacheles redet - und meint, sie habe Freund Mitch vor sich.

Die vertauschten Männer müssen sich in ihren fremden Leben neu sortieren, Dave sabotiert Mitchs Sex-Eskapaden, Mitch Daves Karrieregier, aber natürlich erkennen sie bald die Stärken des anderen und Vorzüge dessen Lebens. Dass Anwaltskonferenzen nicht mit dem Mund voll Chips zu bewältigen sind und Babys in der Nähe von Messersets nichts zu suchen haben, führt zu durchaus witzigen Momenten. Erstaunlich aber, dass bei aller marktschreierischen Freizügigkeit so viel Bigotterie vorherrscht, wenn Dave unter krampfigsten Drehbuchwindungen auch im fremden Körper seiner Frau treu bleibt.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 16

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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