Das Stück „Quartett im Freien“ von Verena Joos und Reinhard Karger in der Reihe „Soundcheck“

An der Haltestelle des Lebens

Vier, die für uns alle stehen: (von links) Hugo Scholz, Maria Weber-Krüger, Susanne Reitinger und Udo Krüger. Foto:  Fischer

Kassel. Hier warten nicht zwei auf Godot, sondern vier auf den Zwölfer. Und weil der Bus nicht kommt, entspinnt sich ein teils philosophisches, teils humoristisches Fünfzig-Minuten-Schauspiel. Geschrieben hat es Verena Joos, die lange als Dramaturgin, Journalistin und Autorin in Kassel lebte, ehe sie 2009 nach Wien ging, wo ihr Mann Reinhard Karger, der zuvor Professor für Komposition an der Uni Kassel war, eine Professur an der Universität für Musik und darstellende Kunst antrat.

Von ihm stammen die Musik - einige Chorsätze für die vier Darsteller - und die Regie zu dem Stück „Quartett im Freien“, das am Sonntagabend vor sechzig Zuschauern im Konzertsaal des Fachbereichs Musik aufgeführt wurde.

Was mit den Worten „Ist der Zwölfer schon durch?“ beginnt und mit „Es ist nie alles gesagt“ endet, ist ein kunstvoller Variationenzyklus über das Warten und die Gedankenwelten, die sich dabei unfreiwillig öffnen können. Unterschiedlicher hätten die vier Typen nicht skizziert sein können, die an der Haltestelle zu einer Art banaler Schicksalsgemeinschaft verschmelzen.

Da ist der Philosoph (Hugo Scholz), da ist die gereizte Zicke (Maria Weber-Krüger), die sich mit der Sanftmütigen (Susanne Reitinger), die keinen Zwist erträgt und alles „verständlich“ findet, in die Haare bekommt. Und schließlich ist da der Einsilbige (Udo Krüger), der sich nur bei elementaren Bedürfnissen zu Wort meldet.

Die vier tragen keine Namen, sollen sie doch uns alle verkörpern. Die banale Szene weitet sich geschickt in eine Parabel des Lebens - „Ich bin gezwungenermaßen hier“ - und lässt die Zuschauer zwischen heiterer Unterhaltung und erschreckenden Momenten der Erkenntnis zurück.

Warten wir nicht alle auf etwas? Das, worauf die vier gut spielenden und singenden Akteure warten, jedenfalls stellt sich nicht ein. Der Zwölfer kommt nicht.

Wieder am 30.10, 18 Uhr, und 31.10., 20 Uhr, Institut für Musik, Mönchebergstraße 1.

Von Johannes Mundry

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