Ausstellung: Hundert Jahre alte Instrumente, die für die Navigation von Schiffen wichtig waren

Hamburger Erbe in Kasseler Orangerie

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Aus dem Jahr 1909: Dieses Schaltuhrwerk steuerte sämtliche Zeitbälle an der Nordseeküste. Später wurden die Signale per Funk übertragen. Links Ausstellungsleiter Karsten Gaulke.

Anno 1900 bestand Hightech aus vielen Zahnrädern: Im Astronomisch-Physikalischen Kabinett in der Kasseler Orangerie sind in einer neuen Dauerausstellung unter anderem hundert Jahre alte Instrumente zur exakten Zeitbestimmung zu sehen.

Sie waren Anfang des 20. Jahrhunderts in der Hamburger Sternwarte im Einsatz und sorgten dafür, dass an den deutschen Nordseehäfen die Schiffe nicht die Orientierung verloren. In den 60er-Jahren sollten sie auf den Sperrmüll, gelangten dann aber nach Kassel.

Denn im Astronomisch-Physikalischen Kabinett wurde über viele Jahrzehnte eine der weltweit bedeutensten Uhrensammlungen aufgebaut, wie dessen Leiter Karsten Gaulke erzählt. Die Instrumente aus Hamburg haben eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Denn sie waren seinerzeit die genauesten Uhren Deutschlands.

Hamburger Hafen Anfang des 20. Jahrhunderts: Gut zu sehen ist der Zeitball auf der Spitze des Hafengebäudes. Die Schiffskapitäne stellten mit Hilfe des Balls ihre Chronometer neu ein. Dies war wichtig, um auf hoher See die exakte Position bestimmen zu können.

Das mussten sie auch sein. Denn sie waren für den Zeitdienst der Freien Hansestadt Hamburg in Betrieb. Der Zeitdienst steuerte die optischen Zeitsignale, so genannte Zeitbälle, in den Häfen Hamburg, Cuxhaven und Bremerhaven. Diese Signalbälle hingen an Masten und waren für die Schiffslotsen gut zu sehen. Punkt zwölf Uhr Greenwich Mean Time fielen die Bälle herunter und so konnten die Lotsen ihre Chronometer auf die exakte Zeit einstellen.

Ein exakter Chronometer war wichtig in der Seefahrt, um auf hoher See die genaue Position bestimmen zu können. Schon eine Abweichung von einer Minute bedeutete eine Ungenauigkeit von 15 Seemeilen (27 Kilometer).

In der Ausstellung in der Orangerie ist unter anderem das Schaltuhrwerk aus dem Jahr 1909 zu sehen, das den elektrischen Impuls an die Zeitbälle der Nordseeküste gab. Unterstützt wurde das Instrument von Präzisionspendeluhren, von denen ebenfalls zwei ausgestellt sind. „Die Uhren kontrollierten sich gegenseitig, um kleinste Abweichungen zu vermeiden“, erläutert Gaulke.

Ein besonderer Blickfang ist eine Uhr aus dem Jahr 1911. Ihr Pendel ist in einem Vakuumtank gelagert, um es gegen Luftdruck- und Temperaturschwankungen zu schützen. Ihre Abweichung liegt bei acht Hundertstel am Tag. „Das heißt, nach zwei Wochen geht sie eine Sekunde falsch“, sagt Gaulke

Chronometer: Es diente Lotsen zur Bestimmung der Position.

Um auch diese Abweichung auszumerzen, wurden die Uhren zusätzlich von Astronomen überwacht. Sie nutzten dazu ein Teleskop, um die Zeit anhand von Referenzsternen zu bestimmen. „Der Himmel rotiert in 23 Stunden und 56 Minuten. Steht ein Stern an einem exakten Punkt, gab der Astronom mit seinem Finger einen Impuls“, erläutert Gaulke. Selbst die Verzögerung bei der Auge-Hand-Koordination hatte man bedacht und sie mittels eines Instruments individuell für die Astronomen bestimmt. All diese Apparaturen sind ebenfalls ausgestellt.

• Astronomisch-Physikalisches Kabinett in der Kasseler Orangerie: Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt: 3 Euro, 2 Euro ermäßigt, Kinder bis 18 Jahre frei

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