Comedy-Künstler Paul Panzer in der Kasseler Stadthalle

Hamster im freien Fall

Kritische Untertöne und Kalauer: Paul Panzer beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto:  Fischer

Kassel. Etwas kurios mutet das ja schon an: Da schlurft jemand auf die Bühne der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Kasseler Stadthalle, schlunzig wie jemand, den man gerade mit der Fernbedienung in der Hand vom Sofa gescheucht hat, presst sich ein zischelndes „Hätzlich willkommen, Katzzel“ durch die Zähne, und die Zuneigung des Publikums brandet ihm entgegen, als sei er ein Heilsbringer.

Paul Panzer ist wieder auf Tour. Der Mann mit dem gepflegten Sprachfehler gehört schon länger zu den Größen im Comedy-Land. Von Abnutzungserscheinungen keine Spur. Panzer, der einst mit frechen Telefonanrufen bekannt wurde, hat eine Riesenbegabung für gut gesetzte Pointen. „Alles auf Anfang“ heißt sein Programm. Es geht um den Anfang der Welt. „Woher kommen wir? Wohin gehen wir und kann man dahin auch fahren?“

Panzer beginnt mit dem Urknall. Schon bei seinem ersten Vergleich kugelt sich das Publikum: „Beim Urknall da pazziert waz. Dazz izzt genauso, wie wenn ein Hamster vom dritten Stock aufs Pflaster knallt.“ Nächste Etappe: Steinzeit. Auch dazu viele Kalauer. Seine „Quintezzens“: Seufzen. „Die Frauen heute haben Anspruch. Job, Geld – damals hat es gereicht, wenn ein Mann behaart war.“

Seine Frau steht für alle Frauen: „Die haben alle diese Glückshormone bei der Geburt ihrer Kinder. Den kannste ein Kantholz auf die Brust legen und sie rufen verzückt: „Es hat meine Augen“. Das Publikum quittiert jeden Spruch mit lautem Lachen. Immer wieder bringt er seinen Sohn „Bolle“ ins Spiel als Beleg für die Fragwürdigkeit der Vorteile von Evolution: „Faul, bequem, Stubenhocker. Mit zwanzig hat der nur noch ’ne Kralle für die Fernbedienung und zwischen den Beinen einen USB-Stick. Und mal vor die Tür gehen? Da könnte ja der böse Sauerstoff lauern.“

Baumärkte macht er als letztes Paradies für die Männer aus. Doch auch diese Bastion bröckelt: „Immer mehr Männer bringen heute ihre Frau mit. Ich schätze: Die meisten aber nur, um sie dort zurückzulassen.“ Fazit: ein Riesenspaß. Im Grunde nicht unsensibel und sogar mit kritischen Untertönen – doch wer hat darauf schon geachtet. Donnernder Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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