Kölner Ausstellung informiert über Weihnachten in der politischen Propaganda

Handgranate am Christbaum

Kriegs-Weihnacht: Hakenkreuz als Plätzchen-Ausstecher. Foto: dpa

KÖLN. Handgranaten-Baumschmuck und Hakenkreuz- Backförmchen: Immer wieder ist das Weihnachtsfest für politische Propaganda missbraucht worden. Das zeigt zurzeit eine Ausstellung im Kölner NS-Dokumentationszentrum. Ein großer Teil widmet sich der Zeit des Nationalsozialismus. Aber auch im Ersten Weltkrieg und in der DDR wurde Weihnachten für Propagandazwecke genutzt.

„Vor allem die Nationalsozialisten versuchten, das christliche Fest umzuwidmen“, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Jürgen Müller. Statt Christbäumen wurden „Jultannen“ aufgestellt, an denen mit Nazi-Symbolen bedruckte Weihnachtskugeln hingen. Der Nikolaus wurde zum „Schimmelreiter“ und ein Mutter-Kind-Kult sollte das Christkind ersetzen.

Unter den Ausstellungsstücken ist aber auch eine ausklappbare Papierkrippe, die ein Soldat an der Front bei sich tragen konnte. Backrezepte geben Tipps für Gebäck, das in Kriegszeiten aus wenigen Zutaten hergestellt werden konnte.

Während des Ersten Weltkriegs lag oft Kriegs-Spielzeug unter dem Baum. Gezeigt werden auch Feldpost-Weihnachtskarten mit Motiven, die Gegner diffamierten. Das taten auch Sammel-Figuren mit dem Titel „Feinde zum Anfassen“.

Die Objekte stammen aus der Sammlung von Rita und Judith Breuer. „Mein Mann wollte in den 70ern gern mal einen ganz anderen Weihnachtsbaum haben, der geschmückt war wie zu Großmutters Zeiten“, erzählt Rita Breuer. Also suchte sie auf Trödelmärkten nach „alten Schätzchen“ - und wurde stutzig: „Ich stieß auf Sachen, die gar nicht zu meinem nostalgischen Bild von Weihnachten passten.“ Viele Alltagsgegenstände und Briefe zeugten davon, dass die versteckte Propaganda beim Volk angekommen sei.

Erschreckend sei, dass einige Stücke heute in modernerer Form wieder auftauchten, meint ihre Tochter Judith. So machen rechtsextremistische Propaganda-Materialien deutlich, wie aktuell das Thema ist.

„Von wegen Heilige Nacht - Weihnachten in der politischen Propaganda“, bis 17. Januar, Infos: www.nsdok.de

Von Petra Albers

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