Zu hart für einen Sonntagabend: "Polizeiruf 110"

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Anna Burnhauser und Kommissar von Meuffels überleben das Attentat in einer Fußgängerunterführung.

Wenige Tage nach dem Massenmord auf der norwegischen Ferieninsel Otøya im Juli zog BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs in München die Reißleine.

Wegen Jugendschutzbedenken wurde der düster-beklemmende Sonntagabendkrimi "Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun" von Regisseur Hans Steinbichler auf einen neuen Sendeplatz, Freitag, 22 Uhr, verlegt.

Der ohne falsches Pathos oder reißerische Effekte durchgezogene Film (Buch: Christian Jeltsch) über einen jungen Fanatiker, der am Münchner Fußballstadion ein Bombenattentat verübt, verdient auf jeden Fall die Aufmerksamkeit, die er im Vorfeld heraufbeschworen hat.

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt), der kühle Kommissar aus dem Norden, verhört auf dem Münchner Präsidium gerade einen Kinderschänder, als dieser plötzlich eine Waffe zieht und sich erschießt.

Als der Neue in seinem zweiten Ermittlungsfall das Revier verlassen will, erfährt er noch Schrecklicheres: Ein Augenzeuge berichtet von einem möglichen Sprengstoffattentäter in der U-Bahn. Doch niemand nimmt ihn ernst.

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Kurz darauf passiert das Schlimmste: Ein furchterregender Knall in einem Fußgängertunnel, dem Durchgang zur großen Fußball-Arena, in der in Kürze ein wichtiges Spiel ansteht. Rauch, Schreie, sterbende Menschen. Und mittendrin Kommissar von Meuffels und seine neue Assistentin Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm), das Landei mit dem klaren Kopf und der zupackenden Art.

Unter einer zentnerschweren Betonplatte finden sie im Inferno den Attentäter Mahmud (Sebastian Urzendowsky). Schnell wird klar, dass der junge Mann nicht gerettet werden kann, aber vermutlich noch Überlebenswichtiges weiß. Es gibt eine zweite Bombe und einen zweiten Selbstmordattentäter. Während von Meuffels bei dem Sterbenden bleibt, macht sich Anna auf die fieberhafte Suche.

Steinbichler, der mit diesem Film seinen ersten TV-Krimi drehte, gelang ein kleines dramaturgisches Meisterstück. Während der Film mit sehr hohem Tempo beginnt, wie ein Action-Kracher, wandelt er sich nach und nach zum existenzialistischen Kammerspiel. (tx)

Von Rupert Sommer

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