„Tatort“ mit Til Schweiger: „Kopfgeld“ sorgt für neuen Leichenrekord – ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

Harte Thrillerkost mit Folgen

Actiongeladen: Nick Tschiller (Til Schweiger) und seine Ex-Frau Isabella (Stefanie Stappenbeck) retten sich aus einem explodierenden Auto. Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim, rechts) ist eher der nachdenkliche Typ, der stets die Konsequenzen mitbedenkt – anders als Tschiller. Foto: ndr/ Marion von der Mehden

Darf eine „Tatort“-Folge wie „Popcornkino“ sein? Dass es um diese Frage immer wieder Wirbel gibt, zeigt das ganze Dilemma der öffentlich-rechtlichen TV-Unterhaltung. HNA-Redakteurin Bettina Fraschke wirft einen Blick auf die Tatort-Folgen mit Till Schweiger.

Der „Tatort“ soll ein jüngeres Publikum ansprechen, sich nicht bei den mittelalten Mittelschichts-Stammsehern festhaken. Um das zu erreichen, werden gerade vielerorts neue, junge Kommissarteams etabliert. Und es kam Til Schweiger. Der NDR hatte für einen Coup gesorgt, als er den Kinostar als LKA-Ermittler Nick Tschiller verpflichtete.

Zwar gilt vielen die Arbeit Schweigers als oberflächlich – und damit fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen mit seinem Bildungsanspruch etwas anrüchig, doch die Auftaktfolge vor einem Jahr sahen stolze 12,74 Millionen Zuschauer, Marktanteil 33,6 Prozent. Am Sonntag setzt Schweiger mit „Kopfgeld“ seinen TV-Kampf gegen das Verbrechen fort.

Inwiefern fallen die Folgen mit Nick Tschiller aus dem „Tatort“-Format heraus?

Durch viele Leichen, Blutbäder und Schießereien. Man arbeitet nicht Vhs-mäßig Sozialstudien ab, sondern orientiert sich am US-Genrekino, dreht echte Thriller – Popcornkino halt. Dunkel, böse. Das gibt es sonntagabends um 20.15 Uhr sonst nicht.

Was ist das Konzept des Hamburger „Tatort“?

Regisseur Christian Alvart, der mit Autor Christoph Darnstädt diese Filme konzipiert, sagt: „Wenn man ein Mal pro Jahr einen Film macht, dann dürfen die Dinge am Ende auch Konsequenzen haben, können offen bleiben und müssen nicht von einer auf die nächste ,Tatort’-Folge auf null gesetzt werden.“ Die Episoden bauen also aufeinander auf. In „Kopfgeld“ werden Probleme weitergedreht, die in der Auftaktfolge ihren Ausgangspunkt nahmen. Das ist in diesem Format außergewöhnlich.

Was ist dieser Nick Tschiller für eine Figur?

Ein unbeirrbarer, auch sturer Kämpfer gegen das Verbrechen. Der für seine 16-jährige Tochter Lenny alles tut. Für sie ist er seiner Ex-Frau Isabella nach Hamburg nachgezogen. Lenny lebt bei ihm – doch die Versprechen, dass er keine Liebschaften in die Wohnung lädt und sich nicht Gefahren aussetzt, kann Nick nicht erfüllen. Im Umgang mit Kollegen ist er ruppig, das schmerzt seinen Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim), etwa wenn der ihn gerade vor einer Bombe gerettet hat. 

Ist der neue Krimi-Zugriff eine Bereicherung?

Ja, unbedingt. Der „Tatort“ muss vielfältig sein, um weiterhin so stark zu bleiben.

Worum geht es in der aktuellen Folge „Kopfgeld“?

Voriges Jahr hatte Tschiller den kurdischen Clanchef Firat Astan ins Gefängnis gebracht. Der hat nun ein Kopfgeld auf Tschiller ausgesetzt, die Lage ist bedrohlich. Tschiller kann sich Alleingänge nicht verkneifen, was ihm nicht gerade zuträglich ist. Die 19 Leichen der Episode sind ein Rekord. Es geht ferner um die Droge Crystal Meth und den Kampf zweier rivalisierender Clans.

Gibt es die typischen Filmzutaten Til Schweigers?

Ja. Es spielt eine seiner Töchter mit, Luna. Und er zeigt mit Hingabe seinen nackten Po.

Von Bettina Fraschke

Unsere aktuelle Tatort-Kritik lesen Sie ab Sonntagabend auf www.hna.de/kultur

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