Die Straitjackets mit einem der besten Konzerte im Schlachthof

Hasen aus dem Hut

Betörend: Marco Mendozas Bassspiel. Foto: Schoelzchen

Kassel. Das war musikalisches Wellenreiten mit einer Eistüte in der Hand. So locker, wie die drei Musiker von den Straitjackets ihr ultrahocherhitztes Fusionmaterial aus dem Hochofen der elektronischen Jazzschmelze zu einem grandiosen Kunstwerk formten, hatte was von dem Hasen aus dem Zylinderhut. Unglaublich, wie Bassist und Sänger Marco Mendoza mit dem brasilianischen Keyboarder Renato Neto und dem mexikanischen Schlagzeuger Joey Heridia interagierte.

Es ist schon so lange her, dass man diesen Sound ständig in den Clubs und Hallen zu hören bekam. Wo ein Herbie Hancock oder George Duke mit seinen Elektrik-Formationen dieses brodelnde Gemisch aus Jazz, Funk und Weltmusik als konzertante Offenbarung mit Tanzcharakter etablierte.

Solo-Expeditionen

Das aktuelle Image, diese Spielart diene nur der kreativen Selbstbefriedigung und sei bestenfalls Musik für Musiker, lässt selbst einen Star wie Prince ins kommerzielle Abseits laufen. So wussten auch nur vierzig Gäste im Kulturzentrum Schlachthof den ins-trumentalen High-End der Straitjackets zu würdigen, doch die konnten sich glücklich schätzen, dass sie einem der besten Konzerte dieses Jahres beiwohnten. Die Klangqualität, die solistischen Expeditionen, die harmonisch-verwobenen Arrangements, alles verschmolz zu einem ästhetisch-dynamischen Gesamteindruck, der viel Begeisterung und Applaus produzierte.

Cremig-üppig die Keyboardsounds, ein ungemein druckvoller Drummix, dazu Mendozas soulige Vocals und sein betörendes Bassspiel sorgten zusätzlich für Staunen und weit geöffnete Pupillen.

Faszination pur bei einer perfekt eingespielten Band, die optisch eher harte Rockmusik als filigrane Anmut vermuten ließ.

Von Andreas Köthe

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