In Ballonseide vors Publikum

Zu Besuch bei der Satiresendung „heute-show“: Hassknecht ist wirklich klein

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Ein Blick ins Innere: Das Studio, in dem die heute-show aufgezeichnet wird.

Köln. Es ist leise, aber es ist da: Das Getuschel, als Gernot Hassknecht (bürgerlich: Hans-Joachim Kleist) das Studio in der Schanzenstraße 22 in Köln betritt. Das hat sicherlich auch mit seinem Trainingsanzug Marke Ballonseide zu tun. Aber viel mehr als das interessiert die Zuschauer etwas anderes.

Es die Körpergröße, die die Leute im Studio die Köpfe zusammenstecken lässt: Der ist ja tatsächlich so klein, wie er im Fernsehen aussieht.

Es ist Freitag, 18 Uhr. Die „heute-show“ mit Oliver Welke, die am Abend in der Regel ab 22.30 Uhr im ZDF zu sehen ist, wird aufgezeichnet. Schon um 17 Uhr ist Einlass, damit das Publikum auf die Ränge gesetzt wird: Statt der Männer sollen die Frauen am Gang sitzen, in die erste Reihe dürfen nur besonders telegene Gesichter. Gesagt wird einem das zwar nicht, wohl aber von vielen gedacht: „Mich haben sie nach ganz außen gesetzt“, erzählt ein etwas korpulenterer Gast einem anderem, ihm aber Unbekannten später auf dem Flur.

Er ist später tatsächlich nicht zu sehen, dafür aber Maximilian: Der kommt aus Rüsselsheim und hat es in die erste Reihe geschafft, zusammen mit seiner Freundin. Noch vor der Show wird der ein gehöriger Schock verpasst: „Ich bitte jetzt um Ruhe“, sagt der Einheizer, der ab halb sechs mit ein paar flotten Sprüchen dafür sorgt, dass die Stimmung gelöst ist und die Lachfalten für immer bleiben werden: „Maximilian möchte dir was mitteilen.“

Die Freundin bekommt urplötzlich weiße Flecken am Hals, jeder im Studio hält den Atem an – bis der Einheizer den von allen erwarteten Heiratsantrag als Scherz offenbart. Vielleicht als Entschuldigung für diesen Scherz ist das Gesicht des 24-Jährigen später am Abend im Fernsehen zu sehen, ohne dass der TV-Zuschauer die Geschichte kennt.

Er ist tatsächlich klein: Gernot Hassknecht (bürgerlich: Hans-Joachim Kleist).

Dafür „kennen“ jetzt zumindest die Studiogäste Oliver Welke: Der charismatische Moderator kommt ein paar Minuten vor Aufzeichnungsbeginn in das Studio geschlendert, scherzt mit den Gästen und lässt sich vom Einheizer erklären, welche Zuschauer der – neben Maximilian – noch aufs Korn genommen hat. Und gibt sich dann während der Aufzeichnung als der Profi, der er ist: Sobald das Kameralicht leuchtet, sitzt jeder Griff an seine neue Brille – „die war sogar Thema in einigen Zeitungen“, erklärt er, „nicht ich“ –, die Betonung der Pointen ist perfekt.

Nur einmal, da liest er vom Teleprompter falsch ab: Welke macht einen Witz darüber, die Kamera wird flugs neu ausgerichtet, um die Szene noch mal zu drehen. Und während dieser wenigen Sekunden atmet das Publikum kurz aus, denn Studiogast zu sein, ist nicht einfach: Der Applaus wurde schon vor Beginn der Aufzeichnung mithilfe des Einheizers minutenlang geübt, einstudiert und aufgenommen. Denn ohne den geht es in der Show nicht: „Lachen Sie“, rät Welke, „sobald Sie das Gefühl haben, dass ich gerade eine Pointe gebracht habe.“

Von Constanze Wüstefeld

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