Nora von der Deckens Installation im Trafo-Haus

Das Haus als zweite Haut

Kleine Häuser: Nora von der Decken im Trafohaus. Foto: Gebhardt

Kassel. Was ist ein Haus, was repräsentiert es? Geborgenheit, Schutz, es ist eine zweite Haut, eine Rüstung. Das sind durchaus Werte, die für sich stehen, eine eigene, besondere Qualität haben. Dazu gehören auch: Familie, Kinder, das Leben halt. Die Künstlerin Nora von der Decken thematisiert dies in ihrer kleinen, feinen Installation „Ich sehe ein Haus“. „Wir sind der Gewalt, der Pornografie und der Katastrophen müde“, sagt sie. Die Kunst habe einen weitaus größeren Ideengehalt.

Die Arbeit ist im Trafo-Haus am Lutherplatz zu sehen. Für dieses unscheinbare Gebäude mit dem halbrunden Raum wurde sie konzipiert. Es gehört zur Arbeit. Aus zwei Teilen besteht die Installation. Eine Fotocollage am Eingang zeigt Bilder von Familien, Eltern mit Kindern, Freunden, Jung und Alt. Es sind intime, genau beobachtete Schwarz-Weiß-Porträts. Im Hauptraum dann eine Reihe von diffizilen Pappschachteln als Objektkästchen mit Artefakten aus vielerlei Materialien: Kleine Szenen des Alltags, filigran-abstrakte Miniaturen, die für sich stehen, aber auch über sich hinaus weisen. Der Kasten als Symbol des Häuslichen. Das Dreieck des Nylonfadens, der alles an der Wand hält, ist gleichsam das Dach.

Mit der wohlfeilen Kritik am Privaten und am Familienleben hat sie nichts am Hut. Ganz im Gegenteil. Überhaupt: Für Nora von der Decken hat das Kleine Wert an sich: Es ermöglicht innezuhalten, anzuhalten, sich zu konzentrieren. Man muss nah herangehen an diese kleinen Häuser, aber dann werden sie ziemlich groß.

Nora von der Decken: „Ich sehe ein Haus“. Trafo-Haus am Lutherplatz, bis 1. Mai, Mi 18-20 Uhr, So 16-18 Uhr.

Zur Person: Nora von der Decken (55) wurde in Kassel geboren. Sie studierte hier von 1982-1987 an der HBK. Seitdem ist sie freie Künstlerin. Sie ist verheiratet mit dem Musiker Till Mertens und hat fünf Kinder sowie vier Enkelkinder.

Von Andreas Gebhardt

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