Zu Hause bei Mutti Merkel: Komischer Jahresrückblick mit Bernd Gieseking

So lustig war 2012: Bernd Gieseking beim Auftritt im Wirtshaus zum Grünen See in Söhrewald-Eiterhagen. Foto: Lohr

Söhrewald. Manchmal bekommt der Kabarettist Bernd Gieseking spätabends einen Anruf von einem Freund, der allein zu Hause in Berlin ist, weil seine Frau noch arbeiten muss. Er heißt Joachim Sauer, ist der Mann der Bundeskanzlerin Angela Merkel und nennt sie nur Mutti.

Sauer erzählt Gieseking Dinge, die man in der „Tagesschau“ nicht erfährt. Dass die Bildungsministerin Annette Schavan weder ein Diplom noch einen Magisterabschluss hat: „Wenn die ihren Doktortitel abgeben muss, hat sie nur noch Abitur.“ Und manchmal beklagt sich Sauer über die Ungerechtigkeiten, die das Leben für Mutti bereithält: „Meine Frau ist so klug, und dann muss sie ihre Zeit mit Brüderle verbringen.“

Sauers Anrufe hat sich Gieseking ausgedacht. Aber sonst ist alles echt in seinem unterhaltsamen Jahresrückblick „Ab dafür“, den er am Donnerstag im ausverkauften Wirtshaus zum Grünen See in Söhrewald-Eiterhagen (Landkreis Kassel) auf die Bühne brachte und mit dem er nun durch die Region tourt. Das gerade zu Ende gehende Jahr war ja auch so schon komisch genug.

Der gebürtige Ostwestfale, der mittlerweile in Dortmund zu Hause ist, macht das bereits seit 19 Jahren und ist nun in einem Alter, „in dem man mehr Falten hat, als sie in der Origami-Anleitung für den Kranich stehen“. Die Ideen gehen dem 54-Jährigen trotzdem nicht aus. Gieseking macht sich über die große Politik und die kleinen Dinge des Lebens lustig, wenn er feststellt: „Das größte Ereignis der Welt in diesem Jahr war, dass die USA einen neuen Präsidenten haben. Das größte Ereignis in Deutschland war, dass ,Wetten, dass..?’ einen neuen Moderator hat.“

Wir mussten uns von Bundespräsident Christian Wulff verabschieden, der „so beschädigt ist, dass er sein Auto ungestraft auf Behindertenparkplätze stellen darf“, und von der geliebten Glühbirne. Gieseking rät trotzdem von Hamsterkäufen ab, weil „Hamster extrem wenig Licht geben und sich auch schlecht in die Fassung schrauben lassen“.

Die Gaga-Idee der documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev von einem Wahlrecht für Tiere und Pflanzen könnte dagegen wegweisend sein, denn die meisten Erdbeeren hätten bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen für Hannelore Kraft gestimmt, die 2017 Mutti Merkel als Kanzlerin beerben könnte - wenn wir das noch erleben werden. Am 21. Dezember soll laut dem Maya-Kalender die Welt untergehen. Es wäre wirklich schade, wenn es dann auch keine Jahresrückblicke mit Bernd Gieseking mehr gäbe.

Von Matthias Lohr

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