Cellist Fenyö und das Spohr-Kammerorchester im Kulturbahnhof

+
Begeisterte als Solist des D-Dur-Konzerts von Joseph Haydn das Publikum im Kulturbahnhof: Cellist Laszlo Fenyö. Foto: Malmus

Kassel. Der ungarische Ausnahmecellist Laszlo Fenyö trat im Südflügel des Kulturbahnhofs auf. Er war Gast beim Konzert des Kammerorchesters Louis Spohr.

Joseph Haydn (1732-1809) ist eigentlich keiner, in dessen Kompositionen es vorrangig um sportliche Virtuosität geht. Vielleicht deshalb gab es lange Zeit Zweifel, ob das D-Dur-Cellokonzert tatsächlich von Haydn stammt, denn hier muss der Solist alles auspacken, was ihm an technischem Rüstzeug zur Verfügung steht.

Kein Problem für Laszlo Fenyö, den ungarischen Ausnahmecellisten mit Wahlheimat Oberursel, der als Gast dem Konzert des Kammerorchesters Louis Spohr im Südflügel des Kulturbahnhofs solistischen Glanz verlieh.

Als hätten sie es geahnt, waren Besucher in großer Zahl herbeigeströmt, so dass weitere Plätze geschaffen werden mussten. Fenyö zeigte, souverän begleitet vom Kasseler Ensemble, alles, was zu zeigen war: Kraftvolle Klanglichkeit, rasche Lagenwechsel, Doppelgriffe ohne Zahl, delikates Spiel in höchster Lage. Dazu im ersten Satz eine brillante Kadenz, im zweiten weit ausschwingende Sanglichkeit, und im Finale Hochgeschwindigkeitsspiel.

Das Schönste aber: Das alles war keine blutleere Virtuosität, sondern ein musikalisch reizvolles Spiel à la Haydn, nur eben effektvoll auf die Spitze getrieben. Den jubelnden Beifall fing Fenyö mit seiner Zugabe, der Sarabande aus Bachs d-Moll-Suite, ein.

Eingeleitet hatte das Spohr-Kammerorchester das Konzert mit Haydns Sinfonie Nr. 49 („La passione“), die vom Kontrast zwischen dem düsteren langsamen Eingangssatz und dem aufbrausenden schnellen zweiten Satz beherrscht wird, eine Abfolge, die sich mit dem dunkel gefärbten Menuett und dem Presto-Finale wiederholt.

Das von Konzertmeisterin Katalin Hercegh geleitete Ensemble forcierte diesen Gegensatz noch, was in der überdirekten Akustik des Südflügel-Saales den schnellen Sätzen eine gewisse Schärfe verlieh.

Das Ländermotto „Österreich“ wurde nach der Pause hin zu Arnold Schönberg und Gustav Mahler erweitert. Christina Weiser vom Staatstheater trug Richard Dehmels Gedicht „Verklärte Nacht“ vor, das in Schönbergs gleichnamige Komposition mündete. Eindrucksvoll die Vielfalt der Ausdrucksnuancen und Farben, vom fahlen mondhellen Klang bis zum satten Forte der bassstarken Orchesterfassung. Nahtlos folgte das Adagietto aus Mahlers fünfter Sinfonie, dessen immer neuen verhaltenen Ansätzen die präsente Harfe das besondere Kolorit gab. Intensiver Beifall belohnte das Spohr-Kammerorchester für diese Darbietung.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.