Dieter Thomas Kuhn mischte das Publikum beim Sommer im Park auf - Sprechchöre und Konfetti

Heftigster Partyalarm in Vellmar

Der Kultsänger blieb nichts schuldig: Dieter Thomas Kuhn beim Sommer im Park.

Vellmar. Wunder gibt es immer wieder. Zum Beispiel wenn Menschen dicht aneinander gedrängt vor der Bühne stehen, Sonnenblumen und aufblasbare Gitarren schwenken. Tragen sie dann noch Glitzerteile, knallbunte Blumenmuster, schwarze Wuschelperücken und andere verwegene Accessoires aus den 70er-Jahren, dann kann es dafür nur einen Grund geben: Dieter Thomas Kuhn schlägt Partyalarm.

So geschehen am Donnerstag beim „Sommer im Park“, wo etwas mehr als 1200 Schlager-Enthusiasten beim Auftritt der singenden Föhnwelle (so Kuhns Spitzname) aus dem Alltag ausscherten: pure Begeisterung im Festzelt von der ersten bis zur letzten Minute.

„Musik ist Trumpf“ gibt eingangs als Zuspielung vom Tonband das nostalgische Motto vor. Fast zweieinhalb Stunden später, nachdem ein Konfettiregen niedergegangen ist und einer heißen Verabschiedung mit „Ich liebe euch!“, kommt es zur Reprise dieses Lieds. Ein Zeichen für die nimmersatten Fans, die zuvor mit Dieter-Sprechchören loslegten, dass der „wunderbare Abend“ (so Kuhn und alle) sein Ende gefunden hat.

Dazwischen bleibt der Kultsänger den Leuten nichts schuldig. Das Outfit glitzert, und die Baritonstimme hat das richtige Gefühl, wenn sie die sieben Brücken besingt, über die man gehen muss. Mal setzt der gebürtige Tübinger zum Tänzchen mit einer flotten Dame an, mal lobt er das Publikum für dessen Gesang in „Über den Wolken“. Und von seinem Trompeter weiß der 47-Jährige zu berichten: „Der hat bei uns den längsten - Atem.“

Mit der Lautstärke einer Rockband geht die siebenköpfige Kapelle an ihr Werk, darunter der Schlagzeuger Adam & Eve aus Kassel und der mit seiner kurzen Hose besonders ins Auge fallende Gitarrist Howard F. Alles sehr professionell, wie die aufwendige Lichtshow als i-Tüpfelchen in diesem zwischen Ironie und Sentimentalität pendelnden Gesamtkunstwerk.

Apropos Ironie. Auf Kuhns Homepage findet sich ein Beitrag, der mit hochgestochenem Vokabular sein Schaffen charakterisiert. Die skurrile Selbstinszenierung könne auch als „entlarvende Spiegelung spätkapitalistischer Gefühls- und Verhaltensmuster“ verstanden werden, heißt es da. Ach ja.

Von Georg Pepl

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