Wohl- und Wundertäter: Nikolaus-Ausstellung im Ikonenmuseum Recklinghausen

Ein Heiliger für alle Fälle

Ikone aus Messing und Email (2. Hälfte 19. Jahrhundert).

Recklinghausen. „Die Russen sind total wild auf Nikolaus“, meint Eva Haustein-Bartsch. Die Direktorin des Ikonenmuseums in Recklinghausen muss es wissen, präsentiert ihr Haus doch eine umfangreiche Ausstellung von Nikolaus-Ikonen, deren Schwerpunkt Exponate aus Russland sind. Das 1956 gegründete Museum in der Ruhrgebietsstadt besitzt die größte Sammlung ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder.

Wer sich in die Vita-Ikonen vertieft, erfährt von einem viel beschäftigten Mann im Dienste der Wunder. Man sieht, wie der junge Nikolaus bei der Taufe schon im Becken stehen kann oder wie er einen Geldbeutel durch ein Fenster wirft, hinter dem drei Jungfrauen schlafen. So konnten diese ihre Aussteuer finanzieren und wurden vor der Prostitution gerettet.

Der „Heilige für alle Fälle“, so der Ausstellungstitel, schützte die Stadt Mozajsk vor den Tataren, weshalb man ihn mit erhobenem Schwert sieht. Er rettete zu Unrecht Verurteilte vor der Hinrichtung und Seefahrer vor dem Sturm. Und er soll energisch gegen heidnische Kulte vorgegangen sein. Eine Ikone zeigt ihn beim Zerschlagen einer Götterfigur.

Seine Weihe zum Bischof fehlt so wenig wie die Überführung der Gebeine des Heiligen nach Bari. Das geschah 1087 gegen den Willen der Einwohner der Stadt Myra. Nach der Überlieferung war Nikolaus in dem Ort an der türkischen Mittelmeerküste, dem heutigen Demre, im 4. Jahrhundert als Bischof tätig. An einem 6. Dezember soll er gestorben sein. Da man nicht viel mehr wusste, bedienten sich die Legenden eines weiteren Nikolaus’, der im 6. Jahrhundert auch als Bischof in jener Region gewirkt und es im Wunder-Ranking auf 17 Einträge brachte.

Die Nikolaus-Verehrung, die auf beider Leben und Wirken fußt, entstand früh in der byzantinischen Kirche und verbreitete sich schnell im Mittelmeerraum. Mit der Christianisierung im 10. Jahrhundert erreichte sie Russland. Dank des Reliquienraubs wuchs seine Bedeutung im Westen.

Die Ikonen gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen. Durchgesetzt hat sich, den Heiligen mit hoher Stirn und grauem Bart zu zeigen. Er ist im fortgeschrittenen Alter, aus seinen Zügen spricht Güte und Weisheit, und er trägt die in der Regel die Insignien eines Bischofs der Ostkirche, etwa das Omophorion, ein Tuch mit Kreuzen. Obligatorisch sind das Evangelienbuch und der Segensgestus. Eine Besonderheit sind die so bunten wie malerisch unbeholfenen Hinterglasikonen, die ab dem 18. Jahrhundert in Siebenbürgen für die Landbevölkerung angefertigt wurden. Außerdem werden in Russland weit verbreitete kunstvoll emaillierte oder vergoldete Metallikonen präsentiert, kann man sie doch, ohne dass sie Schaden nehmen, mit sich führen.

Bis 23.2., Kirchplatz 2a; Tel. 02361/501941, www.kunst-re.de, Katalog 20 Euro.

Von Ulrich Traub

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