Neu im Kino: „Eine Perle Ewigkeit“

Heilung mit Gesang

Fausta (Magaly Solier) Foto:  dpa

Fausta, Tochter einer vergewaltigten Mutter, trägt ihre Jugend lang eine Kartoffel in der Vagina. Zum Schutz. Sterbend singt ihr die Mutter in ihrer indianischen Sprache von Vergewaltigung und Demütigung. Nur mit ihren Gesängen konnte sie ihr Trauma aushalten - an Fausta hat sie Angst und innere Erstarrung längst weitergegeben. In den Dörfern in Peru gibt es sogar einen Namen für diese „Krankheit“, von der so viele Töchter befallen sind: Weil sie von den im Bürgerkrieg von Guerrillakämpfern und Soldaten gepeinigten Müttern weitergegeben wird, heißt sie „Die angsterfüllte Brust“.

So heißt auch Claudia Llosas peruanischer Film, der den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Der deutsche Verleih bringt ihn unter dem nichtssagenden Titel „Eine Perle Ewigkeit“ heraus und traut sich im Trailer vor lauter Landschafts- und Folklore-Bildern nicht, das Thema zu umreißen.

Eine verschenkte Chance, auf diesen außergewöhnlichen Film und sein wichtiges Sujet wirklich aufmerksam zu machen. Llosa macht kein politisches Manifest daraus, auch wenn soziale und kulturelle Unterschiede zwischen weißer und indigener Bevölkerung ständig spürbar sind. Sie stellt sie in die Tradition des magischen Realismus.

Fausta (Magaly Solier) lebt nach dem Tod ihrer Mutter mit der Leiche im selben Zimmer, singt ihre Lieder weiter, kann die unsichtbare Mauer zwischen sich und der Welt nicht überbrücken. Trotzdem muss sie eine Stelle als Hausmädchen bei einer weißen Städterin annehmen. Als der Gärtner und sie sich näherkommen und sie sich traut, ihren Gesang mit anderen zu teilen, gibt es einen Weg in eine Zukunft. Dazu braucht sie auch die Kartoffel nicht mehr.

Mit welcher Sorgfalt und formaler Kraft Llosa ihre poetischen Bilder von Trauer und Rückzug inszeniert - und dann das Aufbrechen - ist beeindruckend. Wie Magaly Soliers spröde Schönheit.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Von Bettina Fraschke

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