Documenta-Tipp: Fünf lohnende Kunstorte, die man nicht sofort findet

Heimliche Computerliebe

Digitale Zuneigung: Der Computerliebesbrief beginnt mit den Worten: „Lieber Liebling, mein Zauber lechzt begehrlich nach deiner feurigen Anteilnahme. Mein merkwürdiges gemeinschaftliches Gefühl will liebevoll deine ängstliche Leidenschaft.“ Foto:  Malmus

Unauffällig ist es nicht gerade, das knallrote Holzhaus, das wie eine verirrte Villa Kunterbunt am Rand der Aue steht. Trotzdem ist die Hütte von Ruth Robbins einer der documenta-Orte, die von den Besuchern leicht übersehen werden. Wir stellen Werke vor, für die sich Suchen lohnt:

Ruth Robbins/Red Vaughan: Subjects of Desire: Relics of Resistance. Karlsaue (Punkt a auf der rechten Grafik).

Das US-Künstlerduo, das sich bei einer Burlesque-Erotikshow kennenlernte, spielt mit Objekten der Begierde. In ihrer roten Hütte in der Aue unterhalb der Neuen Galerie zeigen sie Fetisch-High-Heels und glitzernde Brustwarzenhütchen in goldenen Schreinen. Ihr documenta-Beitrag ist verstecktes Heiligtum und Sündentempel zugleich.

Cevdet Erek: Raum der Rhythmen. C & A Kaufhaus.

In einem Modekaufhaus, in dem die grellen Angebote um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, ist die Leere eine Überraschung. Im Obergeschoss von C & A hat der türkische Künstler Cevdet Erek eine minimalistische Soundinstallation eingerichtet. Farben, Muster und Stoffe entstehen hier im Kopf.

David Link: LoveLetters. Orangerie.

Wie es klingt, wenn Computer lieben, lässt sich im Astronomisch-Physikalischen Kabinett der Orangerie herausfinden. Dort hat David Link ein Experiment aus den 50er Jahren kopiert und lässt einen Computer Liebesbriefe schreiben. Die Ergebnisse sind witzig, skurril und manchmal sogar berührend.

Tue Greenfort: The Worldly House, Karlsaue (Punkt b).

Das Archiv für Film und Text, das Tue Greenfort im ehemaligen Schwanenhaus eingerichtet hat, beschäftigt sich mit der Beziehung von menschlichen und nichtmenschlichen Spezies. Unter anderem sind Videos von Joseph Beuys und Werke der Philosophin Donna Haraway zu sehen. Zum stundenlang Stöbern.

Christoph Menke: Was ist Denken, Zwehrenturm, Fridericianum.

Zwischen den spektakulären Exponaten im Fridericianum geht der Raum des Philosophen Christoph Menke im Zwehrenturm leicht unter. Dabei werden hier kluge Gedanken über Kunst und Ideen ausgetauscht. Und es gibt Federholzstühle von Arnold Bode.

Von Saskia Trebing

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