Amos rockte mit viel Kunst die Galerie Loyal

Schwarze Kluft statt Glitzeranzug: Der Deutsch-Iraner Amos. Foto: Schmidt

Kassel. Für ein Heimspiel kam der selbst ernannte Kaiser des Pop, der aus Eschwege stammende Amos, am Freitag in einen Ausstellungsraum in den zweiten Stock über der Kasseler Galerie Loyal.

Dort waren 50 Cover seines aktuellen Albums „Showtime“ ausgestellt, für das Amos 450 Künstler aus der ganzen Welt Bilder anfertigen ließ. Die Kunstwerke werden für bis zu 20 000 Euro verkauft, die Einnahmen teilen sich Künstler, Musiker und der einst in Kassel ansässige Label-Betreiber Gregor Samsa. Das geniale Do-it-Yourself-Projekt ist für die Ewigkeit. Amos hingegen ist erst einmal in den 80er-Jahren angekommen. Das wird schon deutlich, als die Mitglieder der Eschweger Band Bitune, mit der Amos sein Album „Showtime“ aufgenommen hat, die Bühne in Röhrenjeans, Feinrippunterhemden und Lederjacken betreten.

Amos, der sein Pop-Album „Imperator of Pop“ aus dem Jahr 2007 gern im Glitzeranzug präsentierte, hatte diesen für sein neues Projekt gegen eine schwarze Lederkluft getauscht. „Es ist toll, vor so vielen bekannten Gesichtern zu spielen“, befand der seit Langem in München lebende Künstler. Kein einziger schlechter Song versteckt sich auf „Showtime“. Die Rockhits verfügen über mitreißende Rhythmen und einprägsame Refrains, die ein bisschen an Michael Jackson erinnern, wenn Amos sie mit leicht gepresster Stimme singt.

Die Zeile „You feel like crying, but it’s showtime“ (Du möchtest weinen, aber es ist Zeit, auf die Bühne zu gehen) aus dem Titelsong könnte zum Lebensmotto des Künstlers gereichen, der sich mit Michael Jackson vergleicht, auch wenn er wie in der Galerie Loyal nicht in Stadien, sondern vor 100 Besuchern spielt.

Die Angst vor Kitsch ist Amos fremd. Balladen wie „Love Between Men“ werden von pathetischen Gitarrensoli begleitet. Mit dem Abkupfern nimmt es der Künstler nicht so genau. Klingt doch „Heat Of The Night“ wie eine rockige Version vom Hall-&-Oates-Song „Maneater“.

Amos’ ironische Selbstinszenierung als Superstar wird von seinen Fans gern mitgespielt. Fotoapparate blitzen, die Kamera läuft, und wenn der Meister vom Umhänge- zum Stand-Keyboard wechselt, wird ein Video per Handy gemacht, was professionell lächelnd hingenommen wird. Gefährlich beben die Bretter der kleinen Bühne unter den stampfenden Tanzschritten zu großen Rockgesten von Amos und Bitune-Gitarrist Christian Wosimski. Ist dieser Ort dem Kaiser des Pop angemessen? Die Begeisterung seiner Untertanen ist es jedenfalls.

Von Valerie Schmidt

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