Reiseführerin aus einer fernen Mythenwelt: Gudrid Hansdóttir stellte sich mit Band im Schlachthof vor

Mit Heine auf den Färöer-Inseln

Mit Stimme und Herz: Gudrid Hansdóttir. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ihre Stimme hat etwas von einer Reiseführerin, die in eine fremde, romantische Welt voller Mythen und Abenteuer einlädt: hell, wunderschön und verträumt. Wie sagt sie selbst in Englisch: „Ich komme von weit, weit her.“ Dazu das Kleid, von schlichter Schönheit, wie selbst gemacht. Sie singt barfuß. Die Schuhe hat Gudrid Hansdóttir schon nach 20 Minuten abgelegt und neben sich gestellt.

Die Singer-Songwriterin gastierte am Mittwoch im gut besuchten Schlachthof. Im Gepäck hatte sie ihr neues, drittes Album „Beyond The Grey“.

Auch der Name Gudrid Hansdóttir klingt wie die fiktive Figur eines Romans, der in einer fernen Welt spielt. Ihre Herkunft: die Färöer-Inseln. Um ihre Heimat drehen sich viele Stücke. Vom Nebel, der dort zu Hause ist, singt sie. Von Geistern, die sie im Schlaf begleiten. Sie erzählte viel: von den Menschen, von der Natur, die so gänzlich auf Bäume verzichten müsse, von ihrem Schlagzeuger, den sie schon aus dem Kindergarten kenne und der sie mit sechs heiraten wollte. Dabei drehte sie sich mit der Gitarre im Arm wie ein kleines aufgeregtes Schulmädchen hin und her.

Hansdóttirs Stücke pendeln zwischen Folk und Pop. Begleitet wurde sie von dem Nürnberger Gitarristen Frieder Graf und eben jenem Jugendfreund am Schlagzeug – Runi W. Hojgaard. Die zierliche Sängerin mag es auch mal laut und stürmisch, am eindringlichsten aber kommen ihre Balladen rüber. „Lovesong“ heißt eine – so richtig schön melancholisch, „I Had It In My Mind To Stay“ eine andere.

Auch für dieses Stück hat es ihr ein Text von Heinrich Heine angetan. Der deutsche Schriftsteller stand bei einigen Songs Pate. Sie hat Heine zum festen Bestandteil ihrer Musik gemacht. Hätte Heine sie gekannt, hätte er wohl über sie gedichtet. Viel Applaus, drei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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