Volksmusikstar macht jetzt Metal

Heino im Interview: "Es kann nicht hart genug sein"

Irres Video: Für den Clip zu Heinos neuer Single „Schwarz blüht der Enzian“ rockten (von links) Wolfgang Schwalm (60, Wildecker Herzbuben), Gotthilf Fischer (86), Judith Jersey (62, Judith & Mel), Heino (75), Patrick Lindner (54), Mel Jersey (71, Judith & Mel) und Wilfried Gliem (68, Wildecker Herzbuben) sowie (vorn) Stefan Mross (39). Foto: Starwatch

Heino hat Humor: Zuletzt coverte der Volksmusikstar Hits von Bands wie Rammstein, nun covert er sich selbst und wird zum Hardrocker. Wir sprachen mit dem Sänger über sein Metal-Album.

Ein halbes Jahrhundert lang musste Heino auf der Bühne stehen, ehe er plötzlich als cool galt. Im vorigen Jahr eroberte der blonde Barde mit dem Album „Mit freundlichen Grüßen“ zum ersten Mal Platz eins der deutschen Album-Charts. Bands wie Rammstein und die Ärzte, deren Hits er coverte, fanden das nicht lustig.

Nun beweist Heino erneut Humor und covert sich selbst: „Schwarz blüht der Enzian“ enthält seine Hits wie „Die schwarze Barbara“ und Volkslieder wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ im Metal-Sound. Das ist lustig und passt schon deshalb, weil Hardrock musikalisch ebenso konservativ ist wie Volksmusik.

Heino, am Samstag werden Sie 76. Wird das Ihre erste Geburtstagsparty, auf der Metal laufen wird? 

Heino: Nein, wir werden mischen. Ich will meine Freunde ja nicht erschrecken. Es sind auch einige Ältere dabei.

Was steht denn Samstag auf dem Programm? 

Heino: Ich war zuletzt viel unterwegs. Hannelore hat was vorbereitet. Ich lass mich überraschen.

Wie macht man aus einem volkstümlichen Lied einen Metal-Song? 

Heino: Man nimmt zwei, drei Gitarren plus Schlagzeug auf und lässt ein bisschen Harmonik weg. Und dann lässt man es laut krachen. So wie es modern ist heute. Ich singe aber nicht anders als früher.

Tragen Sie Ihren Totenkopfring, den Ihre Frau in Florida für Sie entdeckt hat, nun eigentlich den ganzen Tag? 

Heino: Ja, wobei ich zwei habe. Einen trage ich jeden Tag und einen bei Bühnenauftritten. Mein Rock-Outfit ist übrigens nicht neu. Schon in den 70ern habe ich schwarze Lederjacken und schwarze Hosen getragen.

Der Autor Rainer Moritz hat Sie das „Brechmittel mehrerer Generationen“ genannt. Wie sehr trifft Sie so eine Kritik? 

Heino: Überhaupt nicht. Wenn der Autor das gesagt hat, soll er sich an seine eigene Nase fassen. Den kenn ich gar nicht.

Was werden Sie zu Jan Delay sagen, wenn er Ihnen begegnet? Der Rapper, der nicht erfreut war, dass Sie sein „Liebes Lied“ gecovert haben, nannte Sie einen Nazi. 

Heino: Nun, er hat eine Strafe bezahlt: 20.000 Euro. Natürlich habe ich das Geld an wohltätige Zwecke weitergegeben - an ein Behindertenheim in Bethel und an eine Behindertenwerkstatt in Bad Münstereifel. Ich glaube, Jan Delay wird so etwas nicht noch einmal machen. Ich bin nicht nachtragend, muss ihm aber raten: Bevor er solche Sätze sagt, sollte er sich mit der deutschen Geschichte befassen.

Einmal sind Sie in Südafrika aufgetreten, während die Welt das Apartheid-Regime boykottierte. Würden Sie rückblickend etwas anders machen? 

Heino: Nein, ich habe in meinem Leben immer nach anderen Künstlern geschaut. Freddy Quinn war drüben, Udo Jürgens war drüben, James Last war drüben. Ich habe in Südafrika gesungen - genau wie meine Kollegen auch. Die sind nicht beschimpft worden, ich bin beschimpft worden. Auch das habe ich ertragen.

Ab Januar werden Sie in der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ neben Dieter Bohlen Platz nehmen. Kommt Ihnen nicht das kalte Grausen, wenn Sie sehen, wie in Castingshows überforderte Kandidaten vorgeführt werden? 

Heino: Der Dieter ist immer gut informiert und trifft den Nagel auf den Kopf. In seinen Ausführungen ist er natürlich härter als ich, aber manchen Kandidaten muss man die Wahrheit sagen, sonst nehmen die uns gar nicht ernst. Manchmal kann es nicht hart genug sein.

Was ist eigentlich aus dem Rathaus-Café geworden, das Sie bis 2012 in Bad Münstereifel betrieben haben? 

Heino: Man hatte mir das Gebäude mit dem Café zum Kauf angeboten, aber mit 75 soll man sich keine Arbeit mehr aufhalsen. Mit Hannelore wohne ich jetzt im privatisierten Kurhaus. Ich will aber nicht nur frustriert aus dem Fenster schauen. Deshalb mache ich weiter Musik und lerne dabei junge Leute kennen. Das macht mich glücklich.

Heino macht auf Rocker mit Volksmuskistars

Heino: Schwarz blüht der Enzian (Starwatch/Sony).

Wertung: drei von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.