Heinz Strunk las in der Caricatura Geschichten aus seiner Jugend

Ein Flöten-Medley zum Schluss: Heinz Strunk bei der Lesung in Kassel. Foto: Gebhardt

Kassel. „Junge rettet Freund aus Teich“ ist der Titel des neuen Romans von Heinz Strunk, der eigentlich Mathias Halfpape heißt.

Auf Einladung des Kulturzentrums Schlachthof stellte er sein Opus, bestens gelaunt, am Freitag in der ausverkauften Caricatura vor. Das Fazit vorweg: Es war eine sehr komische Lesung. Strunk ist nämlich nicht nur ein ausgezeichneter Autor, sondern auch ein hervorragender Entertainer.

Er hat seinen ganz eigenen Sound und für jeden Protagonisten eine andere Stimme parat, mal knarzig rau, mal dumpf-döselig, dann keifend forsch - je nachdem ob Oma, Opa oder Mathe-Lehrer Dierks sprechen. Einmal verheddert sich Strunk in der Wahl der Stimme und er sagt entschuldigend: „Mein Repertoire ist halt begrenzt.“ Aber das stimmt nicht. Er versteht es bravourös, alle Humor-Register zu ziehen.

Strunk erzählt im neuen Buch anekdotenreich seine Lebensgeschichte vor der Zeit von „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Fleckenteufel“. Er fasst für die Lesung drei Handlungsstränge zusammen, hat die Story „runtergedampft“: Sie beginnt 1966, als der Sechsjährige eine glückliche Kindheit in Hamburg-Harburg verlebt. Es geht weiter mit dem Jahr 1970, wo der Erzähler - er heißt im Roman tatsächlich Mathias Halfpape - seine Sommerferien in der Lüneburger Nordheide verbringt, und es endet vier Jahre später mit immer größerem Schulelend.

Begleitet wird das alles von den Fernsehserien jeder Zeit: „Hase Cäsar“, „Pan Tau“ oder „Kung Fu“ und den Filmsoundtracks. Genüsslich schildert Strunk, wie schon in „Fleckenteufel“, erste Sex-Erfahrungen, Onanie, Faszination an Fürzen und den ganzen pubertären Schweinkram.

Das kommt gut an und ist - seltsamerweise - überhaupt nicht doof, sondern richtig großartig, weil es Strunk überzeugend gelingt, die Komik und Tragik des Heranwachsens zusammenzubringen.

Am Ende packt er seine Querflöte aus, fasst alles mit einem furiosen Fernsehserien-Medley zusammen und sagt: „Kommen Sie gut nach Hause und denken Sie daran: Taxis sind auch nur Autos.“

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