Die letzten 24 Stunden vor der Hochzeit: Wolfram Eilenberger las in Vellmar „Finnen von Sinnen“

Er heiratet auch ein ganzes Land

Wolfram Eilenberger

Vellmar. In Finnland ist alles anders. Wer das als Tourist wahrnimmt, wird über manch skurriles Erlebnis lächeln, sich aber damit abfinden. Wer allerdings, wie der (deutlich autobiografisch geprägte) Held des neuen Buchs von Wolfram Eilenberger, „Finnen von Sinnen“, sich in eine Finnin verliebt und vorhat, sie zu heiraten, muss sich umfassender mit den Unterschieden zwischen Deutschland und seiner künftigen zweiten Heimat auseinandersetzen.

Und das ist schwieriger, als man denkt. Sehr schnell kommt der junge Deutsche, der seine künftige Frau im sonnigen Süden, in Spanien, kennen gelernt hat, zur Erkenntnis: Man heiratet nicht nur einen Menschen, sondern ein ganzes Land.

Eilenberger, Philosoph, gelernter Journalist und scharfer Beobachter, ausgestattet mit viel Humor und Sprachwitz, stellte beim Literaturverein „Ecke und Kreis“ in Vellmar sein neues Werk vor. Darin hat er die letzten 24 Stunden vor der Hochzeit anschaulich beschrieben, mit Rückblicken und Einschüben, in denen die Hürden einer solchen Verbindung sichtbar werden, aber auch das Vergnügen an deren Überwindung.

Dass lang andauerndes Schweigen unter Finnen als Merkmal gemütlicher Geselligkeit gilt, wie sie auch sonst sehr sparsam mit Emotionen umgehen, daran musste er sich erst gewöhnen. Genauso wie an die Sprache, die 15 Fälle kennt, aber keinen bestimmten Artikel, was zu komischen Missverständnissen führt. Fiktives mischt sich mit vielen Informationen über Land und Leute, was auch deutlich wurde in den Diskussionen, in denen sich das rege Interesse am Bildungssystem spiegelte, dem Leben im Einklang mit der Natur oder der Hinwendung zu Zukunftstechnologien.

Das finnische Deutschlandbild? Luther, Hitler, Derrick und Schumi sind die prägenden Figuren, lautete die Antwort. Eilenberger, der derzeit in Toronto lebt und dessen Zwillinge dreisprachig aufwachsen, wird der Sache weiter auf den Grund gehen.

Wolfram Eilenberger: Finnen von Sinnen. Blanvalet, 256 Seiten, 16,95 Euro Foto: nh

Von Claudia v. Dehn

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