Triumphaler Abgang für Gottschalk bei "Wetten, dass..?" auf Mallorca

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Die Moderatoren Thomas Gottschalk (M) und Michelle Hunziker (r) stehen mit ihren Gästen US-Schauspielerin Cameron Diaz (2.v.l.), Model Heidi Klum (2.v.r.) und US-Sängerin Jennifer Lopez am Samstag in der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?" in der Stierkampfarena "Coliseo Balear" in Palma de Mallorca.

Palma de Mallorca. Die letzte Show mit Moderator Thomas Gottschalk hatte alles, was die einen an „Wetten, dass..?“ lieben und die anderen hassen – bloß noch ins Überdimensionale gesteigert und vor der sagenhaft schönen Kulisse der Stierkampf-Arena von Palma de Mallorca.

Und zwar: Ein kaum zu übertreffendes Star-Aufgebot von der angeblich „schönsten Frau der Welt“, Jennifer Lopez, bis zu Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, spannende Wetten, ein gigantischer Aufwand mit Harleys, Kutschen, Kart, Pferd und Musical-Kulissen - aber auch blöde Sprüche, ziemliche Längen und sinnfreier Smalltalk. Noch ein letztes Mal Gottschalks ehrenwertes Bemühen, Unterhaltung für alle Generationen zu machen, die ganze Nation vor dem Fernseher zu versammeln, wofür man dem 61-Jährigen ein letztes Mal „Reschpekt“ zollen muss, wie er selbst sagen würde.

Für Thomas Gottschalk war es ein triumphaler Abgang in einem würdigen, kaum steigerungsfähigen Rahmen, dem sich sogar „DSDS“-Konkurrent Dieter Bohlen als Gast beugte. Fragt sich, warum sich Gottschalk noch drei Rückblick-Shows im Herbst antun will. Zu überbieten ist das, was ihm 10000 Zuschauer mit kaum zu stoppenden La-Ola-Wellen an besinnungslosem Jubel boten, nicht.

Man hat sich ja in den 147 „Wetten, dass..?“-Ausgaben mit Thomas Gottschalk oft gefragt, was die US-amerikanischen Stargäste so von den Deutschen denken. Diesmal war es Schauspielerin Cameron Diaz, in einfachem, aber effektvollem Outfit (vergleicht man es mit Heidi Klums grauenhaft gemusterten Leggins), die mit festgetackertem Lächeln beobachtete, wie zehntausend Deutsche in einer spanischen Arena mit Status Quo Rock´n´n-Roll-Party machten, Bierfässer in Basketballkörbe warfen und sich zu fünft in eine Badekappe zwängten.

Fotos: „Wetten, dass..?“ aus Mallorca

„Wetten, dass..?“ aus Mallorca: Gottschalks letztes Sommerfest

Der sich auf ein paar überflüssige Sätze beschränkende Talk mit Diaz zeigte Gottschalks ganze Schwäche, seinen prominenten Gästen wenigstens ein paar originelle Äußerungen abzuluchsen. Die 38-Jährige ging er unvermittelt und direkt an, ob sie wieder Single sei – was die Schauspielerin irritiert verneinte. Uncharmanter kann man kaum fragen.

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Fragwürdig auch die Wette mit dem Kandidaten Felipe Tacogdoy, der auf den Philippinen sein Geld damit verdient, Kokosnüsse mit den Zähnen zu schälen. Zwei deutsche Touristinnen hatten ihn dem ZDF empfohlen. Als er in der Arena seine Zähne in die Früchte schlug, hatte das etwas von Jahrmärkten längst vergangener Zeiten, als man faszinierend-schreckliche Sensationen ferner Kulturen mit Schaudern bestaunte. Liegt in dieser Globalisierung vielleicht die Zukunft der Show?

Wieder mal nervte Michelle Hunziker mit ihren Kommentaren, die aber bei den Wetten als einzige den Überblick hatte. Wie immer reagierte Gottschalk frech und schlagfertig („wie kommst du jetzt von Bratwurst auf Bohlen?“, „Ich drücke die Daumen und die Damen“), konnte er nicht auf die üblichen Anmach-Sprüche verzichten (gern wäre er mit Jennifer Lopez in den Pool gestiegen), machte er ein paar Scherze fürs Bildungsbürgertum („die Oper von Alban Berg, Der Bagger und das Mädchen“), und wieder spürte man eine gewisse Verletztheit Gottschalks angesichts mancher vernichtender Urteile über die Show: „Da soll noch mal einer sagen, unser Publikum ist verschnarcht“, kommentierte er die La-Ola-Wellen, die erst Dieter Bohlens Befehlston zum Stillstand brachte.

Sehr charmant lud Gottschalk „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner ein, die letzte Wette zu moderieren. Der tat das so souverän, als sei er nie weggewesen, und mit einer Ernsthaftigkeit, die Gottschalk immer abging. Dafür brachte Elstner auf den Punkt, was seinen Nachfolger unverwechselbar machte: „Ich hab nie deine Schnauze gehabt.“

Was war noch? Wir wissen jetzt, dass Dieter Bohlen einst bei Frank Elstner bettelte, zu „Wetten, dass..?“ eingeladen zu werden, dass Sebastian Vettel bei der deutschen Show im spanischen Palma kein spanisches Lied gestattet hätte, weil die Spanier uns im Fußball zuletzt keine Chance ließen, und dass Cindy aus Marzahn, ob in Trainingsanzug oder Glitzerkleid, mehr Warmherzigkeit versprüht als Fernseh-Feldwebel Klum in ihrem erschreckend bohnenstangenhaften Aussehen: Und daran orientieren sich allen Ernstes die Teenager?

Alles endete nach drei Stunden in einem chaotischen Rennen in Flossen (Bohlen: „Worum geht´s jetzt überhaupt?“), das Vettel gewann, und mit den obligatorischen Blumensträußen, ehe die Party weiterging, mit 1500 geladenen Gästen, darunter Jürgen Drews und Horst Lichter und Lena Gehrke und Franziska van Almsick und Sami Khedira und, und, und.

„So. Also.“ – wie Gottschalk immerzu gesagt hat. So. Also. Geschafft. Der 61-Jährige, der sein Finale sichtlich glücklich und mit großer Gelassenheit genoss, macht nicht den Fehler, noch im Rollator in die Arena einzufahren, wie er scherzte. Er hört auf zu einem Zeitpunkt, wo Prominente von Udo Jürgens über Otto Waalkes bis Jopi Heesters und selbst Kulturstaatsminister Bernd Neumann betteln, er möge weitermachen.

Unterdessen verhandelt der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut mit zwei Kandidaten über seine Nachfolge, wie er dem „Spiegel“ sagte. Genannt hat er die Namen Hape Kerkeling und Jörg Pilawa. Die Beliebtheit von Hape Kerkeling sei „gigantisch“, sagte Bellut weiter. „Und wir verstehen uns gut.“ Pilawa gehöre zur Top-Riege der ZDF-Moderatoren. „Ich würde ihn bei so einer Frage nie übergehen.“ Gottschalk soll dem Mainzer Sender als wöchentlicher Late-Night-Talker erhalten bleiben.

Der 61-Jährige, um den auch die ARD wirbt, will sich aber erst in seinem Urlaub entscheiden – im Himalaja. Seinem Nachfolger hatte er via „Bild“ den Rat gegeben, „am besten alles“ anders zu machen. ZDF-Intendant Bellut will die Zahl von Hollywood-Stars verringern. Die Bereitschaft der Gäste für Spiel und Spaß müsse wachsen. „Da muss mehr kommen als das Auf-der-Couch-sitzen und Ein-paar-Sätze-sagen.“ Keine schlechte Idee.

Von Mark-Christian von Busse

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