Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ erobert Wien - mit einem Kasseler „Debütanten“

Heiteres Scheitern im Kollektiv

Joachim Meyerhoff

WIEN. Vergangene Saison schrieb der Dogma-Filmer Thomas Vinterberg („Das Fest“) im Burgtheater unter dem Titel „Das Begräbnis“ seine beklemmende Missbrauchsgeschichte in die Gegenwart fort. Jetzt wendet er sich erneut der Vergangenheit zu, in der er diesmal Erheiterndes entdeckt. „Die Kommune“ heißt sein neues Stück, Publikumsmagnet im Akademietheater, Filiale der Burg.

Kopenhagen 1975. Erek (Joachim Meyerhoff) und Anna (Regina Fritsch), des spießigen Kleinfamiliendaseins überdrüssig, beschließen die Gründung einer WG. Als Mit-Kommunarden bewerben sich ein dichtender Alt-Hippie (Tilo Nest), eine Esoterikerin mit sexuellem Heißhunger (Dorothee Hartinger), ein arbeitsloser Franzose (Adrian Krüger), eine Medizinstudentin (Alexandra Henkel) und ihr unterspannter Freund (Dietmar König).

Lustvoll lässt Vinterberg, er hat selbst als Kind Kommune-Erfahrung gesammelt, seine brillante Crew die Rituale zelebrieren: Diskussionen um Putzordnung, alternative Weihnachtsfeiern, das Lob der Libertinage. Ein hoher Wiedererkennungswert für WG-Erfahrene, mit Gelächter quittiert. Doch als es mit der Libertinage Ernst wird, weil die Ablehnung bürgerlichen Besitzdenkens auch die Zweierbeziehung nicht ungeschoren lässt, ist Schluss mit lustig. Das Stück, als boulevardeske Komödie gestartet, landet unversehens im Drama.

Und das lebt von Regina Fritsch, die ihre Anna bewundernswert mutig dem inneren Tauziehen von Anspruch und Wirklichkeit überlässt. Und von Joachim Meyerhoff, der den Wechsel vom Kuschel-Kommunarden zum brutalen Alphatier souverän beherrscht. Der 2007 zum Schauspieler des Jahres Gekürte verbrachte Anfang der 1990er seine Anfängerjahre am Staatstheater Kassel.

Wieder am 25.9., Karten: +43(1) 51444-4145

Von Verena Joos

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