Neu im Kino: Steven Spielbergs überzeugende, aufwendige Verfilmung der Abenteuer von Tim und Struppi

Helden mit Herz und Hirn

In Nöten: Tim (Jamie Bell, links), Struppi und Kapitän Haddock (Andy Serkis) brauchen Hilfe. Foto: Sony

Vom Boom der Comic-Verfilmungen hat sich Steven Spielberg als Regisseur und Produzent bisher ferngehalten. Superhelden sind seine Sache nie gewesen. Aber nun hat er sich mit Hergés „Tim und Struppi“ einen Klassiker der Comic-Geschichte vorgenommen, der sich seit seiner Entstehung im Jahre 1929 über Generationen hinweg eine breite und loyale Fanbasis aufgebaut hat.

Der junge, abenteuerlustige Reporter mit der markanten Haartolle und seinem treuen Foxterrier kommt ohne übernatürliche Fähigkeiten und zentnerschwere Muskelpakete aus. Im Vergleich zu seinen amerikanischen Kollegen war Tim immer ein ganz normaler, jungenhafter, fast schon naiver Held, der Herausforderungen hauptsächlich durch Mut und Verstand bestanden und stets hohes Identifikationspotenzial geboten hat.

Spielberg hat den nostalgischen Comic nun mit modernster Filmtechnik für die Leinwand adaptiert. Die abenteuerliche Reise, die vom belgischen Festland über die Weltmeere hinweg bis in die marokkanische Wüste führt, wird nicht nur in 3D umgesetzt, sondern auch im sogenannten Motion-Capture-Verfahren, bei dem Schauspieler wie Jamie Bell (Tim), Andy Serkis (Kapitän Haddock) und Daniel Craig (Sakharin) den Figuren Stimme, Mimik und Bewegung verleihen, die dann in den Computer eingespeist und mit den digital entworfenen Comic-Wesen zusammengerechnet werden.

Die animierten Figuren entwickeln zwischen menschlichem Antlitz und Comic-Verfremdung einen eigenen surrealen Charme. In einer scheinbar zeitlosen Welt angesiedelt, bleibt der Film in seiner Farbgebung nah an der Vorlage und kommt wie ein farbenfroher Film Noir daher.

Die Story, die sich um versunkene Schiffe und einen Piratenschatz rankt, wurde aus drei Hergé-Bänden zusammengesetzt und verbindet Elemente der klassischen Detektivgeschichte mit Slapstick und spektakulären Digitalgemälden von Seeschlachten und arabischen Palaststädten. Dabei unterscheidet sich Spielbergs konzentrierte Art des Geschichtenerzählens wohltuend vom hektischen Action-Gehopse, das in den meisten Comic-Verfilmungen veranstaltet wird.

Vor allem aber überzeugt der Film durch seine visuelle Gestaltung, die zwischen der Verneigung vor dem stilvollen Original und den Ansprüchen des Unterhaltungskinos einen eigenen kreativen Weg findet.

Genre: Comic-Verfilmung

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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