Heldin ohne Krone: Judith Holofernes überzeugt auch solo im Kulturzelt Kassel

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Zündete unter anderem eine „Lose Kanone“: Judith Holofernes, Sängerin von Wir sind Helden, im Kasseler Kulturzelt.

Kassel. Lange fackelt Judith Holofernes nicht im Kasseler Kulturzelt und liefert schon im Intro das wichtigste Statement des Abends: „Make your own kind of music, sing your own special song.“ Die 37-Jährige ist konsequent, wenn es um die alten Hits geht, die sie einst als Frontfrau der aktuell pausierenden Band Wir sind Helden zum Sprachrohr einer Generation gemacht haben.

Holofernes braucht sie nicht, denn jetzt ist die Zeit für ihre eigene Musik, die sie auf ihrem Solo-Debüt „Ein leichtes Schwert“ gut gelaunt und mit jeder Menge Gefühl zusammengefasst hat. Eine knappe Stunde intelligenter Pop mit Einflüssen von Groove-Punk aus den 80ern, Indie-Rock aus den 90ern, Country, Zydeco und Rock ‘n’ Roll aus den 60ern, mit denen sie sich nun aufmacht, selbst zur Heldin zu avancieren.

Viel länger als diese knappe Stunde dauert es aber auch am Freitagabend im Kulturzelt nicht, bis die Berlinerin mit „Danke, ich hab schon“ den letzten Titel des Abends ankündigt. Dabei hat sie doch gefühlt gerade erst zum Auftakt die „Lose Kanone“ gezündet, um kurz darauf mit „Liebe Teil 2“ den ersten eigenen kleinen Hit zu trällern und mit ihren Fans sowie der „Pechmarie“ das Tanzparkett zu entern.

Zugegeben, die Zeit hat gereicht, um ihr auch als Solokünstlerin den Helden-Status zu attestieren, doch was bleibt, ist das unbändige Verlangen nach mehr. Mehr von dieser fantasievollen Wortmalerei, mehr von diesen leichtfüßigen Mittanzmelodien, die Holofernes und ihre fünfköpfige Begleitkombo mal andächtig leise, dann aber auch mit unerwarteter Wucht in die Konzertmuschel schicken.

Das macht einfach nur Spaß, Holofernes mindestens genauso sehr wie ihren beseelten Fans, die sie mit überschwänglichem Applaus zu weiteren fünf Songs überreden. Und da wagt die sympathische Berlinerin mit der mädchenhaften Stimme dann doch noch einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit. Weit zurück allerdings in die Zeit vor Wir sind Helden, als sie mit „Kamikazefliege“ ihren ersten eigenen Song schuf, den sie heute wieder gern spiele, wie sie sagt.

Das tut sie vielleicht irgendwann auch einmal wieder mit den alten Hits ihrer Band, die einem Heldinnen-Konzert die Krone aufsetzen würden.

Nächster Termin: Mittwoch, 19.30 Uhr, gastiert der Australier Chet Faker im Kulturzelt. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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