Helge Schneider in Kassel - ein genialer Brückenbauer

Die Geister großer Gitarristen sind in ihn gefahren: Helge Schneider in Kassel. Foto: Schachtschneider

Kassel. Erster Eindruck: kein überflüssiger Schnicknack auf der Bühne. Musik ist Trumpf: Klavier, Bass, Schlagzeug, Vibrafon. Das Trio betritt die Bühne, Applaus brandet auf, Helge Schneider, die Akustikgitarre unterm Arm, nimmt Platz und legt ohne Begrüßung los.

Die Hände rasen grotesk überdehnt und gespreizt über die Saiten, als wären die Geister von Al di Meola, Paco di Lucia und John McLaughlin in ihn gefahren. Friday Night in San Francisco, Donnerstagabend in der Kasseler Stadthalle. Das Programm heißt „With Love In My Fingers, Say It With Love“. Man sieht’s.

Am Klavier geht’s weiter mit Jazz, begleitet von Ira Coleman am Bass und Willi Ketzer am Schlagzeug. Schneider macht, was er immer macht und das macht er gut, ist es doch stets anders als sonst. Er macht Jazz und Quatsch und erzählt abstruse Geschichten. So teilt er mit, dass der Papst neulich gekündigt habe, was in Kassel sicherlich noch keiner wisse. Er, Schneider, spende sein ganzes Geld dem Kaufhof, Dohlen seien sehr zeitaufwendig und er müsse mal wieder zum Zahnarzt, denn der habe kein Geld mehr. So geht das, ein improvisierter Fluss aus komischer Wort- und Sinnakrobatik mit Jazz.

Jazz für eine neue Generation

Natürlich Jazz, denn Jazz ist die freieste Musik. Wie sonst keiner hat Schneider Jazz und Komik verknüpft. Diese Liaison tut beiden gut, dem Jazz und der Komik, dem Jazz aber mehr, weil ihn ja eigentlich keiner witzig findet. Es gibt Momente innigen Musizierens, wo die Blödelei kurz in Vergessenheit gerät, etwa bei Duke Ellingtons „Mood Indigo“, das Schneider auf dem Vibrafon spielt. Vielleicht ist er ein Brückenbauer, der den Jazz auch für eine Generation hörbar macht, die sonst wenig damit am Hut hat.

Höhepunkte sind zweifellos das Duett Udo Lindenberg - Helge Schneider und der „Meisenmann“ als Rotkäppchen-Parodie. „Katzeklo“ kommt als Arie daher. Von Beethoven spielt er, sich auf der Trompete begleitend, als Zugabe die Mondscheinsonate, wobei er fast einschläft. Dann geht’s zu Bett, nicht ohne Warnung vor Glatteis. Ein schöner Abend.

Helge Schneider tritt am 7. Juli, 19 Uhr, open air in Beverungen/Weserufer auf. HNA-Kartenservice: Tel. 0561/203204.

Von Andreas Gebhardt

Fotos vom Helge Schneider-Konzert

Helge Schneider in der Kasseler Stadthalle

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