Der Komiker über sein neues Album und die Gelassenheit des Älterwerdens

Helge Schneider im Interview: „Man wird so herrlich naiv"

Er hat schon die passenden Klamotten an. In abgeschrabbeltem T-Shirt und mit Strohhut auf dem Kopf heißt Helge Schneider, 57, seinen Interviewpartner im Münchner Hotel „Bayerischer Hof“ willkommen. Nach langer Zeit gibt es wieder ein neues Studioalbum. Es heißt „Sommer, Sonne, Kaktus!“.

In Ihrem neuen Lied „Sommer, Sonne, Kaktus!“ singen Sie über „blauen Himmel“, „gute Laune“, ein „beautiful girl on the Schoß“. Wie inspirieren Sie sich für so einen Song?

Helge Schneider: Gar nicht, die Inspiration kommt von selbst. Das sind so Träume. Der Typ in dem Lied stellt sich das alles schön vor, doch in Wirklichkeit geht er nur ins Duisburger Hallenbad.

Das Album „Sommer, Sonne, Kaktus!“ ist Ihr erstes seit über sechs Jahren und eine Mischung aus englischen Coversongs wie „Somewhere over the Rainbow“, eigenen englischen Liedern und selbstkomponierten deutschen Stücken. Wie ist es entstanden?

Schneider: Am Anfang stand meine Lust, wieder einen Film zu machen. Dann habe ich die Filmmusik zum im Oktober anlaufenden „00 Schneider - im Wendekreis der Eidechse“ gemacht, und dann kriegte ich auch Spaß am Aufnehmen. So entstand die CD. Dass das Album jetzt noch vor dem Film rauskommt, liegt am Thema. Was soll ich mit Sommersongs im September?

Hatten Sie nicht letztes Jahr angekündigt, weniger arbeiten, mal nicht auf Tournee gehen und sich mehr um Ihre Freizeit kümmern zu wollen? Sie wollten mit Ihren drei Treckern zum Beispiel das Grundstück Ihres Hauses in Mülheim an der Ruhr in Schuss halten.

Schneider: Von den Treckern habe ich zwei verkauft, jetzt habe ich nur noch einen kleinen. Die Wiese habe ich ewig nicht gemäht, mal gucken, wie das aussieht, wenn ich nach Hause komme.

Also haben Sie den Vorsatz mit dem Kürzertreten wieder begraben?

Schneider: Ich hatte plötzlich so einen Schaffenskick gekriegt. Meine Arbeit ist ja nicht nur Beruf, sondern auch Hobby und Leidenschaft und Lebensinhalt.

Das ganze Album hat so eine spanische, überhaupt mediterrane Grundstimmung.

Helge Schneider (57, geschieden, sechs Kinder) aus Mülheim/Ruhr ist Musiker, Schauspieler und Komiker. Nach der abgebrochenen Schule und einer abgebrochenen Lehre studierte er mit einer Sonderbegabtenprüfung in Duisburg Musik. Als Jazzer schlug er sich mit Jobs durch, bis 1994 mit dem Hit „Katzeklo“ der große Durchbruch kam. Seither Touren und CDs, dazu kommen Filme wie „Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem“.

Schneider: Ja. Das Hauptinstrument auf der Platte ist die spanische Gitarre. Ich finde diese Art von Musik einfach gut - Flamenco, Akkordeon, Bongo, das ist schön. Das hat so etwas Lagerfeuermäßiges. So wollen wir es auch auf die Bühne bringen. Insgesamt ist es ein folkloristisches Album.

Stichwort Globalisierung: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in „Nachtigall, huh (Es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)“ den „Gangnam Style“ zu interpretieren?

Schneider: Das ist mir einfach so rausgerutscht.

Können Sie den Tanz?

Schneider: Mit dem Lasso und dem Pferd und so? Ha, ich könnte das wohl, doch, doch.

Der Gangnam-Sänger Psy kam aus dem Nichts und wurde zum Star. Ihm erging es ähnlich wie Ihnen vor 20 Jahren, als Sie nach jahrelanger Jazzclub-Tingelei auf einmal mit „Katzeklo“ den großen Durchbruch hatten. Sehen Sie Parallelen zwischen Ihnen und Psy?

Schneider: Auf den Vergleich wäre ich jetzt nicht gekommen. „Katzeklo“ war ja ein Fliegenschiss gegen das, was dieser Typ weltweit erreicht hat. Ich finde den Psy aber lustig. Der hat es wider alle Gesetze der Unterhaltungsbranche geschafft.

Spüren Sie das Alter?

Schneider: Natürlich. Ich kann nicht mehr so gut gucken und rechts nicht mehr so gut hören. Ich brauche eine Lesebrille, auch wenn ich das erst gar nicht einsehen wollte.

Und körperlich insgesamt?

Schneider: Fühle ich mich fitter als vor 15 Jahren. Durch das Tanzen auf der Bühne und die hohen Schuhe hatte ich meine Knie kaputt gemacht. Ich fühle mich seit einiger Zeit wieder jünger. Man wird wieder so herrlich naiv. Unbeschwerter. Anderes wird wichtiger als in jüngeren Jahren, in denen man seinen beruflichen Zielen hinterherrennt.

Von Steffen Rüth

Helge Schneider: Sommer, Sonne, Kaktus! (We Love Music/ Universal)

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