Heller Wahnsinn: Der coole Electrorap von Left Boy

So schrill wie das Bild aussieht, klingt auch sein Mix aus HipHop und Electro: Ferdinand Sarnitz (25) alias Left Boy, dessen Vater der Wiener Aktionskünstler André Heller ist. Foto: Warner

Ferdinand Sarnitz musste erst scheitern, um seinen Traum zu verwirklichen. Vor sieben Jahren zog der Wiener Musiker nach New York. Er war gerade 18 geworden und dachte, er könnte in der Weltstadt einen Plattenvertrag bekommen und mit Stars wie Kanye West arbeiten.

Stattdessen saß er eingeschüchtert in seinem Zimmer, vertrieb sich die Zeit mit Computerspielen und Kiffen. „Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben“, sagt der 25-Jährige, der sich als Musiker und Künstler Left Boy nennt. Heute hat er fast 200 000 Facebook-Fans, und das Video zu seinem ersten Hit „Jack Sparrow“ wurde bei Youtube sechs Millionen Mal geklickt.

Sarnitz, der mit wilden Electrorap-Shows gerade durch ausverkaufte Hallen in Europa tourt, hat es doch noch geschafft. Dabei hätte es einen nicht gewundert, wenn er gescheitert und wie so viele Kinder von Prominenten am Ruhm der Eltern zerbrochen wäre. Sarnitz ist der Sohn des Wiener Aktionskünstlers André Heller, der nicht nur mit dem Circus Roncalli und seinen Afrika-Shows Geschichte geschrieben hat.

In der vielfältigen Online-Präsenz von Left Boy spielt Heller keine Rolle. Die Kids, die nun zu Hits wie „Security Check“ abtanzen, kennen den 66-jährigen Wiener vermutlich nicht einmal. In seiner österreichischen Heimat ist die Familie indes ein großes Thema. Nachdem Left Boy ein Interview mit seinem Vater und seiner Mutter, der Fotografin Sabina Sarnitz, gegeben hatte, titelten die Blätter „Hellers Bua“ und „Heller Wahnsinn“.

Wahnsinn ist das Debütalbum „Permanent Midnight“ tatsächlich. Furios mixt der ehemalige Beatboxer so ziemlich alle elektronischen Stile - von HipHop über Breakbeat und Garage bis zu R’n’B. Entstanden sind die Songs am Rechner. „Ich bin eines dieser MacBook-Kinder“, gesteht Left Boy, der keine Noten lesen kann. Würde das Pop-Duo Daft Punk HipHop machen, würde es genau so klingen.

Der Albumtitel bezieht sich auf das autobiografische Buch „Permanent Midnight“ des US-Autors Jerry Stahl, der darin von einem drogensüchtigen und unglücklichen Drehbuchschreiber erzählt, für den dauernd Mitternacht ist. Auch Left Boy hat nachts an den Songs getüftelt, die oft vom Scheitern handeln. Für ihn hat der Titel aber noch eine andere Bedeutung. „Die Platte bewegt sich aus der Dunkelheit ins Licht. Es beginnt mit Selbstzerstörung und geht ins Glück über“, sagt der Vater eines zwei Jahre alten Sohnes.

Mit seinem eigenen Vater telefoniert Sarnitz täglich: „Man kann keinen spannenderen Vater haben als ich. Seine offene Art des Denkens zeigte mir, dass fast alles möglich ist.“ Sogar ein wahnsinniger Künstlername. In der Bantusprache Kisuaheli bedeutet Left Boy „junger Gott“. Eigentlich kann man mit so einem Namen nur scheitern.

Left Boy: Permanent Midnight (Warner).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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