Das Kasseler Free Flow Festival präsentierte in der Karnak-Galerie viele interessante Künstler

Hemmungslos gelebte Energie

Ein Raum für musikalische Kreativität: Die Kasseler Formation WiWa mit Wolfgang Wagner (links) und Karsten Winnemuth trat in der Galerie Karnak auf. Foto: Fischer

Kassel. Mit der Subkultur ist das so eine Sache. Oft wird sie vertrieben, man schubst sie herum von einem Ort zum nächsten und lässt ihre von kreativer Selbstfindung beseelten Protagonisten auf den Schlachtfeldern des Kulturimperialismus unbemerkt verelenden. Wenn man dieser Situation etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die hemmungslos gelebte Energie, mit der sich das Künstlerprekariat Wege und Möglichkeiten erobert, um im Vollrausch der Fantasie überleben zu können.

Der Sängerin Carmen Weidemann von der Band Strom war es ein tiefes Bedürfnis, während der Eröffnungsimprovisation des Free Flow Festivals an der Kasseler Mombachstraße diesen Aspekt zu thematisieren. Danach bestimmten Inspiration und spontanes Experiment das Geschehen auf der Galeriebühne des Kunstvereins Karnak. In den kleinen Veranstaltungsraum gelangt man über eine schmale Holztreppe, vorbei an unterschiedlichsten Gebrauchtmöbeln, Graffiti, Installationen und Bildern. Die ganze Galerie wirkt wie ein Gesamtkunstwerk, in dem Funktionalität und Artefakt einem alternativen Lebensgefühl ein Profil verleihen.

Die fünf Musiker der Gruppe Strom begannen den Abend mit einem überschaubaren Vokabular musikalischer Möglichkeiten. Doch trotz limitierter Spieltechnik erzeugten sie eine Atmosphäre, die die Spannung beim freien Fall der Gefühle bestens dokumentierte. Der Stabwechsel auf den Gitarristen und Soundmaler Joshua Weitzel glich einer spontanen Performance. Schnell wurden neue Verstärker gepegelt, Kabel gesteckt, Effektgeräte präpariert und mehrere Beteiligte wuselten sich kameradschaftlich durch das technische Gebüsch.

Weitzel brillierte mit einer abwechslungsreichen Soundcollage und die folgende Band TriTop mit einer anspruchsvollen Mischung aus neuer Musik, Jazz und Klangexperiment. Mit Yume und WiWa endete der erste Tag einer Veranstaltungsreihe, die als Forum für subkulturelle Impulse unbedingt fortgeführt werden sollte.

Von Andreas Köthe

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