Ausstellung über Alexander den Großen in Mannheim

Herrscher und Forscher

Das Goldmedaillon aus dem 3. Jh. zeigt Alexander als Weltherrscher. Foto:  nh

MANNHEIM. Der auf einem ägyptischen Goldmedaillon (220-240 n. Chr.) dargestellte Alexander der Große (356-323 v. Chr.) scheint in weite Ferne zu blicken. Ein Eroberer mit Visionen. Sein 334 v. Chr. in Kleinasien begonnener Kriegszug durch das Persische Reich war zugleich eine Forschungsexpedition, an der Wissenschaftler und Landvermesser teilnahmen. Alexanders Ziel war es, bis ans Ende der Welt vorzustoßen. Er kam immerhin bis zum Indus.

Eine spannend inszenierte Schau der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen ermöglicht, den Spuren des makedonischen Königs zu folgen, der sich zum Herrscher über das persische Weltreich aufschwang. Dieser Vielvölkerstaat erstreckte sich von Ägypten bis zum Kaukasus. Die Schau beleuchtet anhand von 400 wertvollen Leihgaben die elf Jahre währenden Feldzüge Alexanders und die ihnen folgende Durchdringung von griechischer und orientalischer Kultur.

Nach der Schlacht von Gaugamela, in der Alexander 330 v. Chr. den achämenidischen Großkönig Dareios III. in die Flucht schlug, erklärte er sich zum neuen König von Asien. Es folgte sein triumphaler Einzug in die altorientalische Weltmetropole Babylon. Zu den Prunkstücken der ihr gewidmeten Abteilung gehört das Ziegelrelief eines Schlangendrachen (604-562 v. Chr.) vom berühmten Ischtar-Tor. Babylon war auch der Sterbeort Alexanders mit 32 Jahren.

Beim weiteren Rundgang steht der hierzulande kaum bekannte östliche Teil des hellenistischen Orients im Blickpunkt. Regionen, die nach dem Tod Alexanders zunächst einer seiner Generäle in Besitz nahm, Seleukos I. Nikator. Die zentralasiatischen Reichsteile wurden später von den Parthern und Graeco-Baktrern eingenommen.

Die getreue Rekonstruktion der ältesten Badewanne Zentralasiens weist uns auf die spektakuläre Entdeckung des Forts Kurgansol in Usbekistan hin, das von Alexander auf seinem Eroberungszug gegründet wurde.

Am Ende der Schau wird deutlich, dass der von Alexander dem Großen angestoßene Hellenismus sich sogar auf die Ausformung der ältesten Buddha-Figuren aus der Provinz Gandhara ausgewirkt hat. Über die ausgestellte Buddha-Statue (Nordwest-Pakistan, 2.bis 3. Jh. n. Chr.) schreibt Martina Stoye im Katalog: „Im ebenmäßigen Antlitz des Buddhabildes von Gandhara klingt die idealtypische, zeitlose Schönheit mittelmeerisch-antiker Götterskulpturen nach.“

Alexander der Große: bis 21.2. in den Reiss-Engelhorn-Museen, D5, Mannheim. Tel.: 0621-2933150. Der im Verlag Schnell + Steiner erschienene Katalog kostet 24,90 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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