Nils Mönkemeyer bei den Wilhelmshöher Schlosskonzerten

Mit Herz und Verstand

Junge Solisten als homogenes Ensemble: Andrej Bielow (Violine, von links), Markus Becker (Klavier), Nils Mönkemeyer (Viola) und Nicolas Altstaedt (Violoncello). Foto: Schachtschneider

Kassel. Ein zeitgenössischer Kritiker empfahl für Mozarts Es-Dur-Klavierquartett Interpreten, die „außer der erforderlichen Geschicklichkeit ein Herz und einen für Musik sehr reif gebildeten Verstand“ haben sollten. Zum Abschluss der Wilhelmshöher Schlosskonzerte fand sich nun ein Ensemble zusammen, das neben der „Geschicklichkeit“ eben dieses Herz und den Verstand bereits im Übermaß mitbrachte.

Ein Ensemble aus jungen Shooting-Stars bei den Streichern und einem abgeklärteren und klug agierenden Pianisten, der die Fäden in der Hand hielt. Markus Becker (Klavier), Andrej Bielow (Violine), Nils Mönkemeyer (Viola) und Nicolas Altstaedt (Violoncello) sind als Solisten sehr präsent, können aber, wie der Abend bewies, zu homogener Ensemble-Leistung zusammenfinden.

Auch wenn sie nicht immer die solistische Attitüde verleugnen können. Mit Geschicklichkeit, Spannungsreichtum und viel Humor näherte man sich dem Klavierquartett op. 1 von Hugo Staehle (1826 - 1848) , einem Namen, dem wahrscheinlich keiner der vier Musiker jemals zuvor begegnet ist. Staehle stammt aus der sogenannten Kasseler Schule von Louis Spohr und wurde, bevor er mit 22 Jahren verstarb, von diesem intensiv gefördert. Im Werk voll ungestümer, technisch anspruchsvoller Passagen und lyrischer Melodienseligkeit warf man sich die Bälle perfekt zu und konnte auch ein Lächeln über gewisse Plattitüden nicht verkneifen.

Ernster die Atmosphäre bei Gustav Mahler (1860 - 1911). Das Studienwerk, das er fünf Jahre vor seiner Kasseler Zeit im Alter von 18 Jahren komponierte und später selbst vernichtete, ist nur in einem Satz erhalten und klingt noch nicht nach Mahler. Eher nach einem flächigen und gewichtigen Brahms, wo vor allem die Streicher sattes und entschlossenes Klangprofil zeigen konnten.

Der Dirigent Otto Desoff stand als Spohr-Nachfolger im Mittelpunkt der diesjährigen Schlosskonzerte. Von Becker waren nun seine Klavierstücke op. 2 zu hören, die in ihrem Schumann- und Mendelssohn-Bezug aber weniger eigenständig als die gehaltvolleren Kammermusikwerke wirkten. Ganz in seinem Element war Becker bei dem abschließenden Mozart-Klavierquartett (KV 493).

Die glasklare, perlende und durchsichtige Ornamentik war fesselnd, und das alles bettete Becker in eine transparente Ensemble-Leistung, die Mozart so stilsicher interpretierte, wie es sein sollte. Lang anhaltender Beifall der über 200 Zuhörer.

Von Christiana Nobach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.