Herzzerreißender Soul: Sänger Gregory Porter begeisterte Publikum

Eleganter Anzug, charakteristische Kopfbedeckung: Gregory Porter beim Auftritt in Kassel. Foto: Malmus

Kassel. Verträumte Ballett-Romantik prallt auf krachigen Rock und verschmilzt zu Jazz: Das Konzert von Gregory Porter am Samstagabend in der Kasseler Stadthalle war fast ausverkauft.

Im Konzert wurden Motive aus der Nussknackersuite von Tschaikowsky und aus „Smoke On The Water“ von Deep Purple zu einem jazzigen Gesamtklang montiert. Kurze Zitat-Ausflüge zu Soullegenden wie Temptations und Marvin Gaye und zum Mädchen von Ipanema gab es obendrein.

Mit seiner phänomenalen Band eröffnet der Bariton musikalische Welten. Seine Stücke sind – besonders in der Livepräsentation – wie Romane mit mehreren Bedeutungsebenen. Songs aus seinem aktuellen Album „Liquid Spirit“ standen im Zentrum des Auftritts, Titel von den Vorgängern „Water“ und „Be Good“ kamen hinzu, auch ein unveröffentlichtes Stück wurde vorgestellt: „Take Me To The Alley“ beginnt mit einem fünftönigen Bassmotiv, Schritt für Schritt klinken sich Schlagzeug und Klavier in den Sound ein, der Gesang vollendet die feierliche Hymne und am Schluss verklingt alles pianissimo in einem zärtlichen Trompetentriller.

Porter navigiert im eleganten grauen Dreiteiler mit Ansteckblume sein begeistertes Publikum durch einen weit gespannten Klangkosmos, setzt mörderisches Tempo wie in „Liquid Spirit“ neben Klavierballaden wie „Wolfcry“. Im Zentrum des Abends kam das sehnlich erwartete „Hey, Laura“, bei dem Porter den Herzzerreiß-Faktor, den das traurige Stück ohnedies hat, durch rhythmische Verzögerungen im Gesang noch steigerte.

Bei „Skylark“ lässt Gregory Porter seine Stimme erstrahlen, als hätte jemand nach einem Regenschauer das Fenster weit geöffnet. „On My Way To Harlem“ ist wie ein musikalischer Reverenzkatalog mit seinen Rhythmuswechseln, Soulzitaten und seinem sinfonischen Aufbau. Ein Höhepunkt des Abends.

Am Ende kündigte Porter noch eine Portion Liebesenergie an – „Ich weiß, ihr fühlt wie ich“ – und sang das schmelzige „No Love Dying“. Danach ließ er sich vom stehend applaudierenden Publikum zur Zugabe herausklatschen: „Free“.

Zu Beginn hatte Sängerin und Pianistin Avery Sunshine mit ihrem Gute-Laune-Soul das Publikum aufgewärmt.

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