Neues Album

Hessens beste Botschafter: Rodgau Monotones sind wieder da

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Nach sieben Jahren Pause haben die Rodgau Monotones ein neues Album aufgenommen: (von links) Peter Osterwold, Raimund Salg, Kerstin Pfau, Jocky Becker, Jürgen Böttcher, Ali Neander und Matthias Dörsam.

Mit "Die Hesse komme" lieferten die Rodgau Montones Hessens inoffizielle Landeshymne. Nach sieben Jahren Pause meldet sich die Band mit einem neuen Album zurück - und einem neuen Hessenlied.

Vor zehn Jahren sorgten die Rodgau Monotones für Streit zwischen der CDU und den Grünen. Der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte CDs mit dem Hessenlied „Ich kenne ein Land“ an Gesangvereine verschickt. Da meldete sich der Grüne Tarek Al-Wazir, von dem es heißt, seine allererste Platte sei ein Album der Monotones gewesen. In einer Mitteilung erklärte er, „Erbarmen, zu spät, die Hesse komme“ sei die wahre Hessenhymne.

Offizielles Landeslied ist der Song dann nicht geworden. Die Rodgau Monotones aber gibt es immer noch. Nach sieben Jahren Pause haben sie ein neues Album aufgenommen - mit einem neuen Hessenlied.

DIE BAND

Die Rodgau Monotones sind die Rolling Stones der Hessen. Es gibt keinen Hessentag, auf dem das Septett aus dem Kreis Offenbach nicht spielt. Mit dem Album „Volle Lotte“ und „Die Hesse komme“ schafften sie es 1984 in die Charts. Später wurde es ruhiger. Seit 25 Jahren ist die Band nur noch ein gut bezahltes Hobby. „Im Fußball wären wir vierte Liga“, sagt Gitarrist Ali Neander.

Der 57-Jährige hat eine ungewöhnliche Erklärung dafür, dass es die Band nach 38 Jahren immer noch gibt: „Wir waren altmodisch von Tag eins an, sehen aus wie Getränkelieferanten. Und wir waren immer zu faul, uns aufzulösen.“ Anders gesagt: Die Rodgau Monotones konnten nie aus der Mode kommen, weil sie nie richtig angesagt waren.

DAS ALBUM

Die Musiker sind nicht nur ehrlich, sie haben es auch immer noch drauf. „Genial“, das erste Album nach sieben Jahren, ist Volle-Lotte-Partyrock ohne große Experimente, auch wenn sich mal eine Polka unter die 15 Songs verirrt. „Wenn’s abgeht, dann geht’s ab“, lautet ein proklamatischer Songtitel. In den ebenso klugen wie komischen Texten geht es etwa um die Leistungsgesellschaft und den Raubbau an der Natur - aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Selbstironie. Im Funk-Kracher „Das macht uns keiner nach“ nimmt die Band die HipHopper auf die Schippe. Sänger Peter Osterwold rappt: „Ach hör mir auf mit Jay-Z, gut hessisch lernt der doch nie.“

DIE NEUE HESSENHYMNE

Höhepunkt ist das erste hessische Seemannslied „Hundert Fässer grüne Soße“. Geschrieben hat es Gründungsmitglied Henni Nachtsheim, der die Band 1990 verließ, um mit Badesalz Comedy zu machen. Das Stück bleibt sofort im Ohr, aber Neander sagt: „Ich habe ein bisschen Angst, dass wir das jetzt auch 35 Jahre spielen müssen.“

DAS LAND HESSEN

Kaum jemand kennt sich in Hessen so gut aus wie die Monotones. „Wir kennen hier jedes Kuhkaff“, sagt der gebürtige Hamburger Neander. Für den Zusammenhalt des Landes hat die Band vielleicht so viel getan wie alle Hessentage zusammen. Schon in „Die Hesse komme“ hieß es: „Kassel, Gießen und Wiesbaden bloß“. „Wir haben unseren Arm um ganz Hessen geschlungen“, sagt Neander.

DIE HEIMAT IN RODGAU

Besonders stolz ist man auf die Monotones in der Stadt Rodgau, die so alt ist wie die Band. Weil Rio Reiser hier einige Jahre lebte, soll es bald ein Denkmal für den Sänger der Ton Steine Scherben geben. Auf eine Statue für die Rodgau Monotones ist Sänger Osterwold nicht besonders scharf: „Um ein Denkmal zu bekommen, muss man ja tot sein.“

Rodgau Monotones: Genial (Rodgau Mafia Records).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Band

Gegründet: 1977

Mitglieder: Peter Osterwold (65, Sänger), Ali Neander (57, Gitarrist), Kerstin Pfau (Sängerin), Raimund Saig (Gitarre), Matthias Dörsam (Saxofon), Joky Becker (Bass) und J. Mob Böttcher (Schlagzeug)

Privates: Osterwold (verheiratet, ein Kind) wohnt in Ober-Roden und arbeitet nebenher als Kurierfahrer, der dreifache Familienvater Neander lebt in Frankfurt und spielt in vielen anderen Bands.

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