Heute legt Lena los

Lena Meyer-Landrut

Geht es nach Lena Valaitis, Ingrid Peters und Jane Comerford, steigt heute ein neuer „Satellite“ in den europäischen Pop-Himmel. Die drei ehemaligen deutschen Grand-Prix-Interpretinnen sind davon überzeugt, dass Lena Meyer-Landrut (19) den Eurovision Song Contest in Oslo (ARD, 21 Uhr) gewinnt. Wir beantworten die Fragen zum Schlagerwettbewerb.

? Wer ist Lenas größte Konkurrentin?

! Bei den Buchmachern ist Safura aus Aserbaidschan Favoritin. Die 17-Jährige hat schon einen Musikwettbewerb gewonnen: 2008 siegte sie in der Casting-Show „Yeni Ulduz“. Für den Grand Prix hat die Nation am Kaspischen Meer kräftig geklotzt. Die Organisatoren leisteten sich den Songschreiber von Madonna und Jennifer Lopez, den Choreografen von Beyoncé und einen italienischen Stardesigner. „Drip Drop“ ist moderner Pop. Allerdings muss man nach dem Halbfinale feststellen: Das richtige Gefühl für R’n’B hat man Safura nicht kaufen können.

Das ist Lenas Konkurrenz

Gegen diese Kandidaten singt Lena beim Grand Prix

? Wer ist sonst noch aufgefallen in den Halbfinals?

!Der Serbe Milan Stankovic mixt in „Ovo je Balkan“ Balkanbeats und moderne Breaks zu einer furiosen Hymne auf sein Land, sieht knuddelig aus und tanzt gut. Tom Dice aus Belgien tritt getreu seiner Ballade „Me And My Guitar“ nur mit Gitarre auf. „It’s For You“ der Irin Niamh Kavanagh klingt ein wenig wie die Musik aus „Titanic“, aber das heißt nicht, dass die ehemalige Sängerin der Commitments heute untergehen muss. Die Griechen haben zwar kein Geld, mit Giorgos Alkaios („Opa“) aber einen Folk-Interpreten mit viel Testosteron. Und der Zypriote John Lily liefert mit „Life Looks Better In Spring“ grandiosen Pop.

? Wird es wieder eine angebliche Verschwörung der Osteuropäer geben?

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! Kaum. Die gab es ja auch zuletzt nicht. Zur Erinnerung: Vorjahressieger Norwegen liegt in Nordeuropa. Von den 25 Finalisten - darunter die gesetzten großen Beitragszahler Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Gastgeber Norwegen - kommen 14 aus dem Westen. Wenn man Josh Dubovie aus dem Mutterland des Pop hört, wünscht man sich übrigens weniger England und dafür mehr Balkan-Sound. „That Sounds Good To Me“ stammt aus der Feder von Pete Waterman und Mike Stock, die in den 80ern mit schaurigem Plastik-Pop für Rick Astley berühmt wurden.

? Wie wird im Finale abgestimmt?

!Die Punktevergabe erfolgt wie zuletzt zu jeweils 50 Prozent von den TV-Zuschauern, die per Anruf und SMS abstimmen, und einer Jury, der in Deutschland unter anderem Hape Kerkeling und Mary Roos angehören. Ein Nachteil für Deutschland könnte sein, dass die Leitungen für das Televoting schon nach dem Auftritt des ersten Künstlers freigeschaltet sind - Lena singt aber erst an Position 22.

? Was ist mit der Niederländerin Sineken und ihrem Lied „Ik ben verliefd (Sha-la-lie)“, über das zuletzt alle redeten?

! Sie ist im zweiten Halbfinale ausgeschieden, aber immer noch in aller Ohren. Der von Pierre Kartner alias Vader Abraham („Das Lied der Schlümpfe“) geschriebene Song ist der fieseste Ohrwurm seit dem Krokodil Schnappi.

? Was macht eigentlich Ralph Siegel?

! Das klingt hart, aber der Komponist des einzigen deutschen Siegertitels („Ein bisschen Frieden“ für Nicole, 1982) überlegte zuletzt, welches Lied auf seiner Beerdigung gespielt werden soll, wie er in einem Interview erzählte. Der 64-Jährige ist an Prostatakrebs erkrankt und manchmal so schwach, dass er nicht einmal die Tasten am Klavier drücken kann. Angriffslustig ist er aber immer noch: Stefan Raab, urteilt er, sei unprofessionell, und über Lena, die selten einen Ton treffe, sagt er: „Dem Dilettantismus sind keine Grenzen mehr gesetzt.“

Von Wilhelm Ditzel und Matthias Lohr

Deutsche Platzierungen seit 1982

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