Markus Lefrancois, Illustrator aus Kassel, hat das Märchen von Hänsel und Gretel neu bebildert

Die Hexe landet wieder im Ofen

Ideen kommen ihm im Alltag: Illustrator Markus Lefrancois mit den Aquarellentwürfen zum Bildband „Hänsel und Gretel“. Foto: Habich

Kassel. Jeder kennt es: Das Märchen von den Armeleute- kindern Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren. Der Kasseler Markus Lefrancois hat eine der bekanntesten Geschichten der Brüder Grimm neu illustriert: Entstanden ist ein ideenreicher Bildband, gut geeignet, einer neuen Generation von Kindern die alte Geschichte zu erzählen und selbst erwachsene Märchenliebhaber zu begeistern.

Das Buch erscheint als zweiter Band einer Grimms-Märchen-Reihe im renommierten Reclam-Verlag, zuvor war bereits eine von Lefrancois illustrierte Dornröschen-Ausgabe erschienen.

Markus Lefrancois verfolgt bei seiner Arbeit einen Grundsatz: Ein Bild soll immer etwas mehr erzählen, als im Text steht. So sind seine Grafiken vor allem Stimmungsbilder. Was sich zunächst in der Farbwahl spiegelt: Kühle Blau-, Grau- und Brauntöne überwiegen, wo auch die Geschichte von Hänsel und Gretel kalt und bitter ist. Wärmer und freundlicher wird alles erst zum glücklichen Ende hin.

Typisch für die Illustrationen des Kasseler Künstlers ist ein ständiger Wechsel der Perspektive, manchmal auf einer einzigen Seite: Riesig gezeichnet hat er die Gesichter der Familie, die Hunger leidet, winzig klein die Gestalten von Hänsel und Gretel, die im Wald herumirren. Auch in der Geschichte sei man den Figuren schließlich mal mehr und mal weniger nah, sagt Lefrancois.

Und wie ein Regisseur hat er sich hineingedacht: „Ich habe mich gefragt, wie leben die Eltern von Hänsel und Gretel?“ Arm, bescheiden und fromm, also malte er ihnen ein kleines Kreuz an die Wand. „Ich hatte schon immer Spaß an Details“, sagt er. In seinem Buch gibt es deshalb viel zu entdecken. Zum Beispiel die Tiere des Waldes – Igel, Hasen und winzig kleine Mäuse tummeln sich auf den Bildern, häufig erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Ideen kommen dem Illustrator im Alltag: „In der Zeitung habe ich gelesen, dass es in hessischen Wäldern wieder Wildkatzen gibt, da habe ich eine ins Buch gezeichnet.“

Lefrancois findet viele der modernen Märchenbücher für Kinder zu „weich gespült“. „Ich lehne Kitsch entschieden ab“, sagt er. Die Bilder sollten ehrlich sein, aber auch nicht böse und blutrünstig.

Bei ihm ist die Hexe jedenfalls noch eine Hexe, mit Warzen und Haaren auf der Nase. Und sie landet am Ende im Ofen: Auch am Inhalt der Geschichte wurde nichts verändert, anders als bei vielen modernen Kinderbüchern, wo die Brutalität der Grimm’schen Geschichten teilweise geglättet wird.

Selbst die Sprache ist fast originalgetreu, Lefrancois lobt den „besonderen Klang“ der alten Verse. Er findet, dass man Kindern die echten Grimm-Märchen zumuten kann. Seinen Söhnen würde der zweifache Vater das Buch ab einem Alter von etwa fünf bis sechs Jahren in die Hand geben.

Hänsel und Gretel, illustriert von Markus Lefrancois, 32 Seiten, 16,95 Euro, ist im Reclam-Verlag erschienen.

Von Irene Habich

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