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Premiere von „Hey, Alter!“ im Theater im Fridericianum

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Von: Kirsten Ammermüller

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Haben Freude auf der Bühne: Meret Droste (von links), Raffaella Favretti, Emily Grace Cuddy und Andréanne Brosseau.
Haben Freude auf der Bühne: Meret Droste (von links), Raffaella Favretti, Emily Grace Cuddy und Andréanne Brosseau. © Karl-Heinz Mierke

Als Kind die Kleidung der Eltern anprobieren – sich vorsichtig in ein zukünftiges Ich hineinfühlen. Passen die hochhackigen Schuhe, wie fühlt es sich an, einen BH zu tragen, bevor dieser seine Funktion ausfüllen kann? „Hey, Alter!“, die Plus-Produktion des Jungen Staatstheaters (Just) nähert sich tänzerisch der Frage, was Alter bedeutet.

Kassel – Von acht bis 75 Jahre reichte die Altersspanne der sechs Darstellerinnen, die am Freitag das Premierenpublikum im Theater im Fridericianum mit auf eine berührende Reise nahmen, bei der Klischees über das Alter durcheinandergewürfelt, Vorurteile hinterfragt und der oft müßige Generationenkonflikt auf den Kopf gestellt wurde – das machte großen Spaß und gab den einen oder anderen Denkanstoß mit auf den Heimweg.

Reifen, die von der Decke hängen, kleine, große, flächig mit Stoff bespannt oder offen, greifen eine gängige Metapher auf: das Leben als Kreislauf (Bühne Kuan-Jung Lai). Die Darstellerinnen haben sich für die Erarbeitung des Stücks mit Fragen rund um das Alter und das Älterwerden beschäftigt. Gemeinsam mit der Choreografin Sanja Frühwald haben diese sehr persönlichen Erfahrungen eine spielerische und tänzerische Ausdrucksform gefunden, die für die Besucher mehrere Erfahrungsebenen eröffnete. Neben den Mitgliedern des Plus-Ensembles, also Laiendarstellerinnen aus Kassel, Emily Grace Cuddy, Meret Droste, Raffaella Favretti und Barbara Hewer, waren die zwei Praktikantinnen der Tanzsparte des Staatstheaters Andréanne Brosseau und Adriana Sˇtefanˇáková zu erleben (Musik: Randomhype Christian Düchtel).

Das Versteckspiel zu Beginn ist ein beliebtes Kinderspiel, gleichzeitig zeigt das Zählen bis zehn, bis 100, vorwärts oder auch rückwärts, dass Zahlen beliebig sind und die Freude am Spiel kein Alter kennt. Das gilt ebenfalls für das Kreisen mit einem Hula-Hoop-Reifen – ein Bild, das auf einer metaphorischen Ebene als der Kreislauf des Lebens gedeutet werden kann.

Adriana Sˇtefanˇáková tanzt ein Solo, in dem sie das Wachsen und Älterwerden erforscht – jedes Mal, wenn sie durch einen von einer anderen Darstellerin für sie bereitgehaltenen Reifen steigt, erreicht sie einen neuen Lebensabschnitt – durchläuft so die Phasen vom Kleinkind zum Teenager, zur jungen Frau, die sich zu behaupten hat, über die Reife im Alter und gelangt am Ende wieder am Anfang an.

Briefe an ein jüngeres oder zukünftiges Ich ergänzen und runden das Bewegungsspiel auf der Bühne ab. Das Publikum wird aufgefordert, Sehgewohnheiten abzulegen, eigene Erwartungen zu hinterfragen. Das Versprechen der jungen Martha Pechmann zu Beginn, es würde viel zu erleben geben, wurde erfüllt und das begeisterte Publikum würdigte die große Leistung aller mit herzlichem Beifall.

Programm des Staatstheaters

Weitere Vorstellungen von „Hey, Alter!“ sind auf der Internetseite des Staatstheaters zu finden.

Zahlreiche weitere Vorstellungen, staatstheater-kassel.de

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