Musical „Lost - Hänsel & Gretel" beim Brüder-Grimm-Festival

Im Reich der Fantasie: Luglüha (Eva Balkenhol), Hänsel (Tim Müller) und Gretel (Denise Vilöhr).

Kassel. Stadtkämmerer Jürgen Barthel dachte, auf der Musical-Bühne des Brüder-Grimm-Festivals würde es ein bisschen zugehen wie im Kino.

Als der Kasseler SPD-Politiker 450 Besucher auf der Insel Siebenbergen zur ausverkauften Premiere von „Lost - Hänsel & Gretel“ begrüßte, erwähnte er Sofia Coppolas Film „Lost In Translation“, in dem es ums Verlorensein in der vielsprachigen globalisierten Welt geht.

Kassel. Stadtkämmerer Jürgen Barthel dachte, auf der Musical-Bühne des Brüder-Grimm-Festivals würde es ein bisschen zugehen wie im Kino. Als der Kasseler SPD-Politiker die 450 Besucher auf der Insel Siebenbergen zur ausverkauften Premiere von „Lost - Hänsel & Gretel“ begrüßte, erwähnte er Sofia Coppolas Film „Lost In Translation“, in dem es ums Verlorensein in der vielsprachigen globalisierten Welt geht.

Bilder von der Premiere

Brüder Grimm Festival: Lost - Hänsel und Gretel

Barthels Interpretationshilfe war gar nicht so falsch, denn natürlich hätte auch etwas verloren gehen können beim Projekt von Regisseur und Autor Michael Fajgel, der das Grimm-Märchen „Hänsel und Gretel“ mit der TV-Kultserie „Lost“ zusammenbrachte. Die US-Mystery-Reihe erzählt von den Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer Pazifikinsel.

Der tic-Macher hat den alten und den neuen Stoff so verwoben, dass „Lost - Hänsel und Gretel“ wie eine Einheit wirkt, die ernst und lustig zugleich ist und kleinen Kindern sowie großen Politikern ebenso viel Freude macht. Ein Spaß für die ganze Familie.

Das Musical holt den Plot von Hänsel und Gretel in die Moderne. Das Geschwisterpaar (Tim Müller und Denise Vilöhr), das von den Eltern mit dem Boot zur Tante geschickt worden ist, landet wegen eines Motorschadens auf einer einsamen Insel mit einem Rummelplatz. Im Schlepptau hat es den dicken Hugo (Christoph Steinau), der eine wunderbare Hommage an die „Lost“-Figur Hurley ist.

Auf der Insel dürfen die Kinder machen, was sie wollen. Hugo zum Beispiel kann den ganzen Tag gebrannte Mandeln essen. Von so einem „Reich der Fantasie“, wie es in einem Lied heißt, träumt jedes Kind in uns. Vielleicht auch ein Kämmerer, der hier nur so mit dem Geld um sich werfen könnte. Aber leider gibt es auch in Fantasiewelten dunkle Seiten.

Herrin über den Rummelplatz ist die böse Madame B. (Katja Brauneis) mit ihrem finsteren Helfer Jordan (Martin Rüegg), die die Kinder ebenso vor dem verlockenden Knusperhäuschen warnt wie vor den mysteriösen Anderen, die sich auf der Insel verstecken. Es dauert eine Weile, bis die Kinder die Erwachsenen durchschaut haben. Das Motto geben Hänsel und Gretel jedoch schon früh im gefühligen Duett aus: „Wir wollen niemals erwachsen werden.“

Überhaupt beherrscht Komponist Roland Oumard die Klaviatur der emotionalen Zuspitzung. Musikalisch wird es nach der Pause abwechslungsreich und oft dramatisch - etwa mit einer an Kurt Weill erinnernden Jahrmarktmelodie und einer Kung-Fu-Rock-Nummer.

Aus dem Ensemble, dem man den Spaß am Spiel ansieht, ragen Publikumsliebling Steinau und Eva Balkenhol heraus. Die ausgebildete Tänzerin spielt zunächst unscheinbar den Hasen Luglüha, ehe sie herrlich überdreht in den Mittelpunkt rückt (Choreografie: Loreen Fajgel).

Ein anderer Star ist natürlich die Insel Siebenbergen. Das Setting in der Karlsaue ist filmreif.

Von Matthias Lohr

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