Ein Österreicher hat aus den unglaublichsten Nachrichtenmeldungen der Welt ein Buch gemacht

Hier gibt’s keine Enten

Auch eine komische Meldung: Ein britischer Bauer ließ den italienischen Tenor Marcello Bedoni Arien schmettern, damit seine Kühe mehr Milch liefern. Die Tiere zeigten sich unbeeindruckt. Fotos: dpa / nh

Dieses zehnjährige Mädchen tut Vergil Siegl immer noch Leid. Es ist schon eine Weile her, dass der österreichische Journalist von der jungen Engländerin hörte, die irrtümlich als erstes Mädchen in einem Jahr alle 33 Pfadfinder-Abzeichen machte. Ein ranghöherer Pfadfinder hatte ihr erzählt, dass sie alle Abzeichen haben müsse, um in der Hierarchie aufzusteigen. Sie lernte Judo, bereitete für ihre Familie einen Braten zu und kümmerte sich um Tiere auf einem Bauernhof. In Wirklichkeit hätte sie nur fünf Abzeichen gebraucht.

„Das ist wirkliches Engagement“, sagt Siegl, der die Geschichte in seinem Buch „Indisches Mädchen heiratet Frosch: Die irrsten wahren Geschichten der Welt“ erzählt. 2000 unglaubliche Nachrichtenmeldungen hat der 35-Jährige gesammelt - aus dem Internet, aus Zeitungen und aus dem Fernsehen. Siegl, der als Wirtschaftsredakteur bei der Wiener „Kronen Zeitung“ arbeitet, hat sie überprüft und die besten 500 in das Buch gepackt. Es sind keine Zeitungsenten dabei, versichert Siegl. Aber man muss immer wieder den Kopf schütteln über die Geschichten.

Etwa über die einer siebenjährigen Inderin, die bei einem Erntedankfest einen Frosch heiratete. Das Paar wurde mit Blumen und Juwelen geschmückt, aber nach der Zeremonie warf die junge Braut ihren Gemahlen in den Teich - der Ritus soll sie vor Geistern und Krankheiten schützen.

Es ist bereits eine komische Geschichte, wie Siegl darauf kam, kuriose Meldungen zu sammeln. Der Mann, der als Zwölfjähriger ein Gesellschaftsspiel für Ravensburger entwickelte, träumte schon immer davon, ein Buch zu schreiben, nur fehlte ihm die Idee dazu. Dann las er in einem Schreibratgeber, dass die besten Ideen aus der Zeitung sind. Seitdem sammelt Siegl die Das-gibt’s-doch-nicht-Geschichten, die seine Sicht auf die Welt verändert haben. „Wenn man das alles liest, nimmt man vieles nicht mehr so ernst“, sagt er.

Eine der besten Geschichten hat es nicht ins Buch geschafft: Eine chinesische Nachrichtenagentur hatte gemeldet, dass es in Schweden eine Stadt gäbe, in der 15 000 Lesben lebten. Jeder Mann, der in den Ort käme, würde von den Frauen verprügelt. Hunderte Chinesen bemühten sich daraufhin um Visa, um die Stadt zu sehen. Als Siegl dies hörte, schüttelte er den Kopf, recherchierte und stellte fest: Alles nur erlogen.

Vergil Siegl: Indisches Mädchen heiratet Frosch: Die irrsten wahren Geschichten der Welt. Edition A, 180 Seiten, 19,90 Euro. Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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