Hier stimmt alles: Mozarts „La Finta Gardiniera“ in Berlin

Berlin. Was ist das, die Liebe? Wie kann es sein, dass eine Frau, die von ihrem Geliebten ein Messer in den Bauch gerammt bekommt und mit Ach und Krach überlebt, diesen immer noch liebt? Wie kann es sein, dass ein Mann eifersüchtig auf seine Geliebte einsticht und einfach abhaut, weil er sie für tot hält? Ist das Liebe oder pervers oder was?

Es könnte dies ein Libretto von heute sein und tatsächlich: Hans Neuenfels hat Mozarts 18-jährig komponierte „Gärtnerin aus Liebe“ mit einem eigenen Libretto versehen und die albernen Rezitative des Originals durch geistreich-witzige Dialoge ersetzt. Die Arien-Texte wurden beibehalten in der nun „Die Pforten der Liebe“ benannten Opera buffa.

Statt fünf Stunden erwarten die Zuhörer an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater nun drei substanzielle und vergnügliche. Weisheit und Leichtigkeit bestimmen das um zwei Schauspieler-Rollen erweiterte Frühwerk. Das Singspiel, von Christopher Moulds straff dirigiert, umkreist die verschiedenen Arten der Liebe. Es unterhält und berührt.

Eine geniale Leistung. Hier stimmt einfach alles. Eingangs beschriebener Konflikt zwischen dem Grafen Belfiore und der Marchesa Violante, durch Joel Prieto und Annette Dasch aufs Innigste gesungen, wird kontrastiert durch ein altes Ehepaar. Er, der Fremdgänger, und sie, seine Richterin. Elisabeth Trissenaar und Markus Boysen gestalten das unnachahmlich treffend. Man bekommt den Spiegel des Lebens vorgehalten. Jeder Zuschauer kann sich wiedererkennen im „Karneval der Identität“, wie es eingangs heißt.

Karten: Tel. 030/20354555, www.staatsoper-berlin.de

Von Andrea Hilgenstock

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.