„Es wäre in seinem Sinne“

Nachlass des Plakatkünstlers Hillmann geht ans documenta-Archiv

Dank mit Blumen: Dr. Gerd Mörsch (von links), Leiter des documenta-Archivs, Professor Gunter Rambow und Rosa Marlies Hillmann. Foto: von Busse

Kassel. Rosa Marlies Hillmann, Witwe des verstorbenen Grafikers, Plakatkünstlers und Illustrators Hans Hillmann, hat dessen Nachlass an das documenta-Archiv in Kassel übergeben.

„Das bin ich ihm schuldig“, sagte Rosa Marlies Hillmann, „es wäre in seinem Sinne.“ Am Dienstag übergab sie den Nachlass ihres im vergangenen Mai verstorbenen Ehemannes an das documenta-Archiv in Kassel. Außerdem spendete Hillmann 10.000 Euro zur Aufarbeitung der 100 Plakate, über 2000 Bände, unzähligen Fotos, Tagebücher, Musikalben, Notizen, Skizzen.

„Kassel war immer mein Mekka“, sagte Hillmann, die schon bei ihrem späteren Mann studiert hatte, ihn danach aber aus den Augen verlor, bis sie ihn vor 15 Jahren wiedertraf: „Dann haben wir uns zusammengetan. Er war mein Idol, ein Magnet.“ Sie freue sich, dass Hillmann, Teilnehmer der dritten documenta 1964, nun nach Kassel zurückkehre: „So lebt er, lebt sein Werk weiter.“

Eine gemeinsame Wohnung hatte das Ehepaar nie – Hillmann, Jahrgang 1925, einer der wegweisenden Vertreter der „Kasseler Schule“ der Plakatkunst, war „mit seiner Arbeit verbandelt“ und am liebsten im Atelier, wo er sich „zeichnerisch richtig ausgetobt hat“, nachdem die große Ära der Filmplakate zu Ende gegangen war.

Hans Hillmann

Gunter Rambow, der bekannteste Schüler und Nachfolger Hillmanns, selbst ein bedeutender Plakatkünstler, sprach von Hillmanns  „Eremitenklause“. Rambow war eigens aus Güstrow gekommen und zog seinen alten Studentenausweis der Kasseler Werkakademie hervor: Der Übergabe-Termin des Nachlasses war ein Anlass zum Erinnern. Quasi handstreichartig hätten die späteren Professoren nach dem Krieg das Gebäude der Werkakademie auf dem Kasernengelände an der Eugen-Richter-Straße besetzt, berichtete Rambow: „Das Widerständige, leicht Anarchische war ihnen eigen.“ Hillmann leitete ab 1963 die Klasse Grafik.

Dirk Schwarze, Vorsitzender des documenta-Forums, erzählte, wie sehr sich die auf wenige Merkmale reduzierten Plakate der Filmkunst der späten 50er- und 60er-Jahre für sein ganzes Leben ins Gedächtnis gebrannt haben: „Das war eine kraftvolle neue Sprache.“

Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen versprach, Hillmanns Erbe – das die Nachlässe von Arnold Bode und Harry Kramer ergänzt – werde in guten Händen sicher verwahrt, gepflegt und erforscht. Hilgen skizzierte auch den künftigen Weg zu einem „documenta-Institut“.

Das vollständige Atelier Hillmanns, sein Arbeitsplatz, seine an der Kunsthochschule eigens für ihn angefertigten Regale – all das wurde an das documenta-Archiv übergeben. Rosa Marlies Hillmann dankte dessen Leiter Dr. Gerd Mörsch, er habe sich „ganz toll und mit Verve“ dafür engagiert.

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